Auszug aus der DVD: 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Phlebologie
erscheint im Rabe Verlag: ISBN 978-3-9805888-8-1
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40 Jahre Deutsche Phlebologie - Rückblick auf den Anfang
G. G. Hohlbaum, Phlebologie 1997
Vor zwanzig Jahren haben W. Schneider (2) und G. Wesener (3) an die Gründung und die weitere Entwicklung unserer Gesellschaft erinnert. Schneider wies auf die »sich im Schoße der Gesellschaft« vollzogenen Fortschritte hin: Beendigung des Streites zwischen Operateuren und Sklerotherapeuten, Vertiefung und Freundschaft in der internationalen Zusammenarbeit und die Erstellung eines Kataloges für die Zusatzbezeichnung Phlebologie. Er schloß mit den Worten: »Wenn wir so die letzten Jahre Revue passieren lassen, dann können wir als Sparte und als Gesellschaft mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken sowie mit berechtigter Hoffnung in die Zukunft sehen.« Wesener gab einen geschichtlichen Überblick, gedachte u. a. auch des Vereins der Spezialärzte für Beinleiden (1909-1934). Er schilderte die Leistungen und die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft und späteren Gesellschaft, auf deren Gründungsgeschichte im folgenden näher eingegangen werden soll.
Zuerst stellt sich die Frage: Wie kam es zu der Bezeichnung »Arbeitsgemeinschaft«. Prof. M. Ratschow - er war Mitherausgeber des ersten Kongreßbandes - wies bereits 1953 (1) darauf hin, daß die Angiologie ein Gebiet der wissenschaftlichen Medizin ist, deren Ergebnisse den Kranken aller Fachgebiete gleichermaßen zugute kommen müsse »ohne daß wir Spezialisten für Angiologie bekommen«.
Die Herausgeber F. Jaeger, E. Krieg, M. Ratschow und der Schriftleiter P. Matis schrieben im Vorwort des 66 Seiten umfassenden Kongreßbandes der ersten Tagung (4): »Die Konstituierung einer deutschen Arbeitsgemeinschaft für Venenerkrankungen (Phlebologie) trägt einer Entwicklung Rechnung, die in den anderen Ländern (Benelux, Frankreich) bereits eingeschlagen worden ist. Die Wahl einer >Arbeitsgemeinschaft< zur besseren Durchdringung der vielen offenen Fragen, auch bei den Venenerkrankungen, verzichtet bewußt auf die Gründung einer Gesellschaft. Der weiteren Spaltung des Herz- und Kreislaufgebietes soll und muß entgegengetreten werden. Andererseits wollen Spezialfragen eine besonders eingehende Erörterung und Pflege haben, für die eine Arbeitsgemeinschaft speziell Interessierter den erwünschten Kreis bildet. Man muß sich nur dessen bewußt bleiben, daß erst in der Zusammenarbeit von Arbeitsgemeinschaften Herz - Arterien - Kapilläres System und Venen die Erfüllung der sich stellenden Aufgaben liegen kann.«
Prof. H. W. Pässler eröffnete die dritte Tagung am 6. Juni 1958 in Leverkusen mit einem Vortrag zu dem Thema »Warum brauchen wir Arbeitsgemeinschaften« (5): »Diese speziellen Fachtagungen streben eine gründlichere Fortbildung ihrer Interessenten an, als sie die großen nationalen Fachgesellschaften zu bieten vermögen.« Er bedauerte die aufgrund der enormen Entwicklung in der Medizin notwendig gewordene Schwerpunktbildung und meinte: »Auch die Mammutkongresse kämen aber wahrscheinlich wieder auf ein vernünftiges und erträgliches Maß, wenn sich ihre Veranstalter entschließen könnten, nur ganz wenigen Hauptthemen mit wirklich bedeutenden Fragestellungen Raum zu geben ... Arbeitsgemeinschaften sehen ihre Aufgabe darin, in kleinem Kreise reine Forschung und Wissenschaft ebenso zu Wort kommen zu lassen wie die praktische Erfahrung.« In seiner Begrüßungsansprache zur 4. Tagung am 25./26. September 1959 in Freiburg sagte E. Krieg (6): »Ich habe niemals einen Hehl daraus gemacht, daß uns eine Separierung fernliegt, daß uns vielmehr das Ziel vor Augen schwebt, die einmal systematisch aufgebaute Phlebologie als Baustein in das große Gefüge der Gefäßerkrankungen einzusetzen.« Durchaus zeitgemäß wies er außerdem darauf hin: »Wenn Sie unser Programm durchlesen, so fällt Ihnen vielleicht auf, daß wir im Gegensatz zu modernen Kongressen nur wenige Vorträge eingesetzt haben. Das war Absicht, um die Kontinuität des Themas zu wahren, um der Aussprache einen breiten Raum und schließlich um ein brauchbares Resümee zu sichern. Wir wollten, daß wir vor lauter Hören und Sehen das Denken nicht vergessen!«
Die Grund- bzw. Gründungsgedanken waren, durch Beschränkung auf die Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft eine Separierung zu vermeiden, Wissenschaft und Praxis in gemeinsamer Fortbildung zu vereinen und die Phlebologie der Zukunft in das große Gebiet der Gefäßkrankheiten einzubinden. Wenn dieses letzte Anliegen (noch) nicht erreicht wurde, so liegt dies sicher auch an der bereits von Pässler erwähnten enormen und nicht mehr überschaubaren Entwicklung der gesamten Medizin. Das von den Gründern unserer Gesellschaft angestrebte Ziel, der physiologischen Einheit der Gefäße Rechnung zu tragen, sollte jedoch nicht in Vergessenheit geraten.
Die Initiatoren unserer Gesellschaft Erich Krieg und Gunnar Olsen haben seit etwa 1954 einen Zusammenschluß deutscher Phlebologen erwogen. Nach 1956 geführten Gesprächen mit R. Tournay in Frankreich und H. v. d. Molen in Holland fand zu Beginn des Jahres 1957 ein gemeinsames Treffen dieser Herren in Freiburg statt, welches von der Firma Varitex, vertreten durch Stolk und de Klerk, gesponsert wurde (3). Bei dieser Zusammenkunft ist die Gründung einer phlebologischen Interessengemeinschaft und die Durchführung der ersten Tagung besprochen worden, die, organisiert von G. Olsen, am 23./24. März 1957 im Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt stattfand. Trotz aller Bemühungen Olsens war es nicht gelungen, Hochschullehrer für diese Tagung zu gewinnen, so daß außer Herrn Jäger, damals Chefarzt der Chirurgischen Klinik Ludwigshafen, nur etwa 30-35 Ärzte der Praxis teilweise mit Damen teilnahmen. (3). Leider st keine Teilnehmerliste erhalten. Auf dieser Tagung wurde einstimmig die Gründung einer »Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Phlebologie« beschlossen, der sich auch österreichische Kollegen anschlossen.
In seiner Begrüßungsansprache (4) wies Prof. F. Jaeger auf die große Bedeutung einer internationalen Zusammenarbeit phlebologisch interessierter Kollegen hin und R. Tournay begrüßte mit besonderer Herzlichkeit die Teilnehmer: »Ich wollte kommen, um Ihnen die Grüße unserer Gesellschaft. Ihrer älteren Schwester, zu überbringen. Diese Societe fran~aise de Phlebologie ist jetzt 10 Jahre alt. Sie ist - wie alle unter Ihnen, die mit ihr in Paris oder sonst in Verbindung stehen, wissen - voll blühender Kraft und sicher eine der lebendigsten unter den medizinischen Gesellschaften. Ich bin sicher, daß Ihre deutsche Gesellschaft die gleiche Entwicklung erwarten darf. Von ganzem Herzen wünsche ich dies!«
Die Tagung begann mit einem Vortrag von E. Krieg über Wesen und Bedeutung der Phlebologie: »Es ist ein bedeutungsvoller Tag, da hier zum ersten Male in der Geschichte der deutschen Medizin Phlebologie öffentlich in Erscheinung tritt und phlebologisch interessierte und tätige Ärzte nicht nur zur persönlichen Kontaktaufnahme und Aussprache zusammenführt, sondern sie vielmehr aufruft, ihrer Arbeit eine gemeinsame Basis und zweckmäßige Form zu geben. Bewußt ist unser Kreis zunächst ausgewählt und klein gehalten; es schien gut, fürs erste zu sondieren und grundsätzliche Fragen zu klären. Lösen wir sie, dann ist es kaum zweifelhaft, daß wir in Zukunft weitere Kreise erfassen werden. Ich bin mir voll bewußt, daß ich - als ich die Anregung zu dieser Arbeitstagung gab - ohne die tatkräftige Unterstützung von Herrn Prof. Jaeger und ohne die Organisationsleistung von Herrn Dr. Olsen nicht zum Ziele gekommen wäre. Ihnen gebührt unser besonderer Dank.« Am Ende der Tagung äußert Krieg die Hoffnung »daß wir durch diese Tagung bereichert die Überzeugung mitnehmen, daß mit der äußeren Form einer Arbeitsgemeinschaft auch eine innere Bindung besteht, die uns vertrauensvoll in die Zukunft blicken läßt.« - Die zweite Tagung am 12./13. Oktober 1957 in Frankfurt wurde von etwa 200 Teilnehmern besucht (5).
Das erste Mitgliederverzeichnis stammt aus dem Jahr 1959 (Abb.) und weist 103 Mitglieder aus (5). In dem zweiten, 1960 erschienenen (6) sind 106 Mitglieder genannt. Wie ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt, sind hier Fehler unterlaufen. 17 neuen Namen* stehen 9 fehlende gegenüber, unter denen sich auch noch zwei heutige Mitglieder (Laue und Schmitz) finden.
Die Zahl der Mitglieder stieg 1965 auf 236, 1972 auf 431, 1977 auf 600 usw. Nur mit Abänderung der Zahl gelten G. Weseners Sätze auch für dieses Jubiläum: »Abschließend kann daher festgestellt werden, daß in den vergangenen 40 Jahren des Bestehens unserer Gesellschaft sich aus bescheidensten Anfängen eine große wissenschaftliche Gesellschaft entwickelt hat« (3).
* Unter den neuen Namen findet sich: Santler, R. Dr. med. Ass.-Arzt, Univ.-Hautklinik, Wien IX, Alserstraße 4. - Der Verfasser erlaubt sich diesen Rückblick Herrn Prof. Dr. R. Santler besonders herzlich zu widmen.
Literatur
- Ratschow M. Die peripheren Durchblutungsstörungen. Dresden - Leipzig: Steinkopff. 5. Auflage, 1953.
- Schneider W. Phlebologie heute. Phlebol u Proktol 1977: 6: 164-4.
- Wesener G. Zur Geschichte der deutschen Phlebologie. Phlebol u Proktol 1977: 6: 165-9.
- Jaeger F, Krieg E. Ratschow M (Hrsg). Verhandlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Venenerkrankungen (Phlebologie). Stuttgart: Schattauer 1957.
- Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Phlebologie (Hrsg.). Kongreßberichte, Publikationen, Mitgliederliste 1957/59. Stuttgart: Schattaucr 1959.
- Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Phlebologie (Hrsg.). Kongreßberichte, Publikationen. Mitgliederliste 1960. Stuttgart: Schattauer 1960.
Anschrift des Verfassers:Dr. med. G. G. Hohlbaum Facharzt für Chirurgie, Sengenholzer Weg 4, D-45219 Essen
Anzahl der Mitglieder:
| Jahr | / | Mitglieder |
|---|---|---|
| 1959 | : | 103 |
| 1965 | : | 236 |
| 1972 | : | 431 |
| 1977 | : | 600 |
| 2006 | : | 1.400 |
Jahrestagungen
| # | Ort und Jahr | Kongressleiter |
|---|---|---|
| 1. | Frankfurt 1957 | Dr. med. G. Olsen |
| 2. | Frankfurt 1957 | Dr. med. G. Olsen |
| 3. | Leverkusen 1958 | Prof. Dr. med. H. W. Pässler |
| 4. | Freiburg 1959 | Dr. med. E. Krieg |
| 5. | Ludwigshafen 1960 | Prof. Dr. med. F. Jäger |
| 6. | Salzburg 1961 | Dr. med. W. Rotter |
| 7. | Hamburg 1962 | Dr. med. U. Ellerbroek |
| 8. | Tübingen 1963 | Prof. Dr. med. W. Schneider |
| 9. | Aachen 1964 | Dr. med. G. Wesener |
| 10. | Wiesbaden 1965 | Prof. Dr. mcd. H. Grimmer |
| 11. | Wien 1966 | Prof. Dr. med. A. Wiedmann |
| 12. | Essen 1967 | Prof. Dr. med. N. Klüken |
| 13. | Berlin 1969 | Prof. Dr. med. H. Teller |
| 14. | Bad Nauheim 1970 | Dr. med. U. Demhowski |
| 15. | Augsburg 1972 | Prof. Dr. med. W. Nikolowski |
| 16. | Marburg 1973 | Prof. Dr. med. Friedrich |
| 17. | München 1975 | Prof. Dr. med. H. Ludwig |
| 18. | Bad Salzuflen 1976 | Prof. Dr. med. K. Salfeld |
| 19. | Wien 1977 | Prof. Dr. med. R. Santler |
| 20. | Essen 1978 | Prof. Prof. h. c. mult. Dr. med. Dr. h. c. N. Klüken |
| 21. | Innsbruck 1979 | Univ-Doz. Dr. med. R. May |
| 22. | Kopenhagen 1980 | |
| 23. | Frankfurt 1981 | Priv.-Doz. Dr. med. W. Hach |
| 24. | Hamburg 1982 | Dr. med. W. Stegmann Dr. med. U. Ellerbroek |
| 25. | Brüssel 1983 | |
| 26. | Tübingen 1984 | Prof. Dr. med. H. Fischer |
| 27. | Salzburg 1985 | FOA Dr. med. N. Zinnagl |
| 28. | Münster 1986 | Dr. med. H. Altenkämper |
| 29. | Essen 1987 | Prof. Prof. h. c. mult. Dr. med. Dr. h. c. N. Klüken |
| 30. | Aachen 1988 | Prof. Dr. med. V. Wienert |
| 31. | Straßburg 1989 | »Internationale Tagung« Dr. med. R. Stemmer |
| 32. | Darmstadt 1990 | Prof. Dr. med. Th. Wuppermann |
| 33. | Frankfurt/M. 1991 | Prof. Dr. med. W. Hach |
| 34. | Norderney 1992 | Prof. Dr. med. W. Lechner |
| 35. | Ulm 1993 | Dr. med. Dagmar Berg |
| 36. | Recklinghausen 1994 | Prof. Dr. med. Maria Zabel |
| 37. | Bamberg 1995 | Dr. med. L. Schimmelpfennig |
| 38. | Berlin 1996 | Prof. Dr. med. U. Schultz-Ehrenburg |
| 39. | Bonn 1997 | Priv.-Doz. Dr. med. E. Rabe |
| 40. | Tegernsee 1998 | Prof. Dr. med. habil. M. Marshall |
| 41. | Bremen 1999 | Prof. Dr. med. W. Lechner, Priv.-Doz. Dr. med. E. Rabe, Dr. med. H. Gerlach (zusammen mit Europäischer Tagung UIP) |
| 42. | Fulda 2000 | Dr. med. U. Ehresmann |
| 43. | Bad Krotzingen 2001 | Prof. Dr. med. W. Vanscheidt |
| 44. | Mannheim 2002 | Dr. med. H. Gerlach |
| 45. | Nürnberg 2003 | Dr. med. Th. Noppeney |
| 46. | Recklinghausen 2004 | Prof. Dr. med. Maria Zabel |
| 47. | Köln 2005 | Dr. med. H.J. Hermanns Dr. med. B.J. Bulling Dr. med. M. Camci Dr. med. G. Gallenkemper Dr. med. P. Waldhausen |
| 48. | Rostock 2006 | Prof. Dr. med. M. Jünger |
| 49. | Heidelberg 2007 | Prof. Dr. med. Th. Pröbstle |
| 50. | Bochum 2008 | Prof. Dr. med. M. Stücker |
| 51. | Monaco 2009 |
Prof. Dr. med. Eberhard Rabe |
| 52. | Aachen 2010 | Prof. Dr. med. Marianne DeMaesener, Dr. med. Felicitas Pannier, Dr. Anja Sommer, Dr. med. Jutta Schimmelpfennig |
| 53. | Berlin 2011 | Dr. Ingo Flessenkämper |
| 54. | Lübeck 2012 |
PD Dr. med. Birgit Kahle |



