Die Kurzversion zur Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (Version Herbst 2008) - Ein Kommentar
Leitlinien haben generell das Problem, dass sie nicht gut beim Adressaten ankommen. Das trifft sie wie alle großen Schriftstücke, die keinen Erzählcharakter wie Romane haben, sondern aus einer Aneinanderreihung von Fakten bestehen. Man muss sich schon Zeit nehmen, um das Ganze zu erarbeiten.
Anders als bei Romanen kommt es nicht nur auf den roten Faden an, sondern auf die Einzelheiten, was das „Sich-Merken“ und Erinnern schwieriger macht. Häufig kommt man bei Leitlinien deshalb nicht umhin, sich einzelne Kapitel oder gar das Ganze noch einmal durchzulesen. Das wesentliche Problem insbesondere großer bzw. langer Leitlinien liegt darin, dass sich der Adressat überhaupt und gänzlich ob der Fülle der Daten verweigert und die Leitlinie links liegen lässt. Damit hätten die Autoren der Leitlinie dann genau das geschafft, was sie nicht bezwecken, nämlich dass die Leitlinie nicht gelesen wird. Den wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften und Expertengremien, die sich zusammengesetzt haben, um für ihre Mitglieder und andere Interessierte das vorhandene Wissen zu einem bestimmten Thema zusammenzufassen und evidenzbasierte Empfehlungen zum Vorgehen bei bestimmten Fragestellungen als Grundlage für eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Ärzten und Patienten – sogenannte Leitlinien – zu geben, sind sich dieser Problematik durchaus bewusst.
Die Art und Weise, wie den Adressaten die Leitlinie nahe gebracht wird, und wie es gelingt, die Leitlinie in den medizinischen Alltag zu integrieren, wird Implementierung genannt. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie zum Thema der Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum wurde erstmalig 1996 [1] veröffentlicht, die jetzt aktuelle 4. Version [4] wurde Ende 2008 publiziert, sie wurde in enger Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und mit anderen Fachgesellschaften erstellt. Das Problem der Implementierung war schon bei der 3. Version [3] bekannt, weshalb schon die dritte Version von einer Kurzfassung (52 Seiten) begleitet wurde. Genauer beleuchtet hat das Problem der Implementierung eine Arbeitsgruppe um Stefan Wilm im Jahre 2006 [5; 6], die dazu eine zusätzliche zweiseitige Kurzversion der Leitlinie erstellte und beide in der phlebologischen und hausärztlichen Praxis auf Akzeptanz und Praktikabilität testete. Um die Akzeptanz der Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum und ihre Implementierung in den klinischen Alltag zu verbessern, haben sich die Expertengruppe der DGP zur Erstellung der Leitlinie und der Vorstand und Beirat der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie mit der Autorengruppe aus der Ständigen Leitlinien-Kommission der DEGAM zusammengesetzt, um die alte Kurzversion der Leitlinie an die Inhalte der neuen 4. Version der Leitlinie anzupassen.
Nach intensiven und langen Diskussionen haben die DGP und die DEGAM jetzt eine gemeinsame Kurzversion zur Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum erstellt, die hier vorgestellt wird. Sie bringt die wesentlichen Aspekte der 40-seitigen Hauptleitlinie auf einer DINA4 bzw. 5-Doppelseite zusammen und soll eine Erleichterung beim täglichen Umgang mit Ulcera crura im klinischen Alltag bringen. Die DGP und die DEGAM erhoffen sich durch diese Kurzversion der Leitlinie einen unbeschwerteren und freudigeren Umgang mit der Leitlinie und dem Thema des Ulcus cruris venosum und wünschen ihr eine weite Verbreitung. So mag dann auch der Zugang zur umfangreichen Hauptleitlinie leichter sein, in der die vielen Einzelheiten und evidenzbasierten Begründungen aufgeführt sind, für die in der Kurzversion verständlicherweise kein Platz sein kann. Kurzversion und Hauptleitlinie sind über die Internetseiten der DGP und der Zeitschrift „Phlebologie“ des Schattauer-Verlages frei abrufbar (open access).
Dr. med. Georg Gallenkemper
Koordinator der Expertenkommission zur Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie
Prof. Dr. med. Stefan Wilm
Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in der Expertenkommission
- Gallenkemper G, Bulling BJ, Kahle B, Klüken N, Lehnert W, Rabe E, Schwahn-Schreiber Chr: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum. Phlebol 1996; 25: 254-8
- Gallenkemper G, Bulling BJ, Kahle B, Klüken N, Lehnert W, Rabe E, Schwahn-Schreiber Chr: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum. Phebologie 2000;29:97-101
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Leitlinien zu Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum. Ehresmann U, Gallenkemper G et al. Phlebologie 2004;5:166-185
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) - corresponding author: G. Gallenkemper. Guidelines for diagnosis and therapy of venous ulcers (version 2008). Phlebologie 2008;37:308-329
Internet:
- AWMF: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/037-009.htm
- DEGAM: http://leitlinien.degam.de/index.php?id=264
- DGP: http://www.phlebology.de/Deutsche-Gesellschaft-fur-Phlebologie/diagnostik-und-therapie-des-ulcus-cruris-venosum.html
- Schattauer: http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/phlebologie/inhalt/archiv/issue/special/manuscript/10748/download.html
- Wollny A, Rieger M, Wilm S. Die Erfahrung zeigt, dass man mit ganz Einfachem recht gut klar kommt. Die Ulcus-cruris-venosum-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) im Alltag phlebologischer Praxen. Phlebologie 2008; 37: 20–26
- Wollny A, Rieger M, Wilm S. Unzureichende Vergütung und die Patienten selbst können die Implementierung von Leitlinien hemmen: Evaluation der Ulcus cruris venosum-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) in hausärztlichen und phlebologischen Praxen. Z Evid Fortbild Qual Gesundh wesen 2009; 103(7):431-7


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