Leitlinien sind systematisch erarbeitete Empfehlungen, um den Arzt
in Klinik und Praxis bei Entscheidungen über eine angemessene
Versorgung des Patienten im Rahmen spezifischer klinischer Umstände zu
unterstützen. Leitlinien gelten für Standardsituationen und
berücksichtigen die aktuellen, zu den entsprechenden Fragestellungen
zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Leitlinien
bedürfen der ständigen Überprüfung und eventuell der Änderung auf dem
Boden des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes und der Praktikabilität
in der täglichen Praxis. Durch die Leitlinien soll die Methodenfreiheit
des Arztes nicht eingeschränkt werden. Ihre Beachtung garantiert nicht
in jedem Fall den diagnostischen und therapeutischen Erfolg.
Leitlinien erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die
Entscheidung über die Angemessenheit der zu ergreifenden Maßnahmen
trifft der Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Problematik.
Diese Leitlinie wurde von Experten im Rahmen einer Konsensuskonferenz
erarbeitet, die am 4. und 5.08.2006 in Köln auf Initiative der
Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) und des Berufsverbandes
für Phlebologie (BVP) stattfand. Die Leitlinie wurde vom Vorstand und
Beirat der DGP und des BVP sowie den beteiligten Experten nach
ausführlicher Beratung am 04.10.2006 verabschiedet. Es wurden alle
randomisierten kontrollierten Studien (randomized controlled trial;
Abk. RCT) bis April 2006 zu diesem Thema elektronisch in Datenbanken
und per Handsuche ermittelt. Diese Studien wurden auf
Konsensuskonferenzen hinsichtlich Empfehlungs- und Evidenzgrad bewertet
und dahingehend beurteilt, ob sie in die Leitlinie aufgenommen werden
konnten oder etwa wegen minderer Qualität ausgeschlossen werden
mussten. Im Vorfeld hatten die Teilnehmer zu jeder Publikation ihres
Themenkreises einen einheitlichen Evaluationsbogen ausgefüllt, der dann
zur Konferenz allen zur Diskussion vorlag. Außerdem wurden die
Ergebnisse der Konsensus-Konferenz „Evidence based compression
therapy“, die auf Initiative der Union Internationale de Phlébologie
unter dem Präsidenten H. Partsch am 27.08.2003 in S. Diego/USA
abgehalten wurde, berücksichtigt (H. Partsch, Evidence based
compression therapy, VASA Vol. 32, Suppl. 63, 2003).
Die RCT’s wurden nach den wissenschaftlichen Qualitätskriterien der DEGAM bewertet:
Folgende Evidenzgrade (EV-GR) wurden unter Berücksichtigung der Qualität/Aussagekraft der einzelnen Studie vergeben:
- Metaanalyse oder systemischer Review von RCTs, Megatrails, einzelne RCTs
- Konhortenstudien mit Kontrollgruppe / nicht randomisierter CT, quasiexperimentelle Studie, Fallkontrollstudie,
- Querschnitts-, ökologische Studie, Kohorte ohne Kontrollgruppe (Anwendungsbeobachtung), Fallserien
- Expertenmeinung, Grundlagenforschung
Die Empfehlungsgrade (=EM-GR) wurden gemäß DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) festgelegt:
- sehr gut fundiert (EV-GR I)
- mittelmäßig fundiert (EV-GR II)
- mäßige wissenschaftliche Grundlage (EV-GR III, IV)
1. Definition
Der medizinische Kompressionsstrumpf (MKS) ist in der Therapie phlebologischer und lymphologischer Erkrankungen der Beine und Arme unverzichtbar. Die in den MKS eingearbeiteten elastischen Fäden geben ihm komprimierende Eigenschaften, so dass er einen gleichmäßigen Druck auf die Extremität ausübt. Er bewirkt unter anderem eine
- Reduzierung des Venenquerschnitts
- Beschleunigung des venösen und lymphatischen Rückstroms
- Verbesserung der Venenklappenfunktion
- Reduktion und Prävention des Extremitätenödems.
Die Verordnung erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in Diagnose, Differentialdiagnose und Kontraindikationen.
2. Qualitäten
2.1. Strickarten
Medizinische Kompressionsstrümpfe werden in verschiedenen Arten gefertigt:
- flachgestrickt mit Naht, maschinengeformt, mit mindestens je einem verstrickten und einem eingelegten elastischen Faden in jeder zweiten Maschenreihe: Diese Strümpfe können sehr passgenau mit großer Kompressionsstärke hergestellt werden.
- ein- und doppelflächig rundgestrickt, nahtlos, maschinengeformt, mit mindestens je einem verstrickten und einem eingelegten elastischen Faden in jeder zweiten Maschenreihe: Dem rundgestrickten Strumpf sind bei der Formgebung Grenzen gesetzt. So können Extremitäten mit sehr kleinen Umfängen und extremen Umfangsänderungen mit rundgestrickten Strümpfen nicht versorgt werden.
2.2. Qualitätsmerkmale
Der MKS muss der gültigen RAL GZG 387 (2000) und der Richtlinie
93/42 EWG des Europäischen Rates entsprechen und ein sogenannter
Zweizugstrumpf , d.h. ausreichend quer- und längselastisch sein. Ein
DIN-Entwurf 58133 liegt vor.
2.2.1. Strumpfausführungen und -längen
Die nach Norm produzierten Kompressionsstrümpfe, die sogenannten Konfektions-, Serien- oder Normstrümpfe, werden für das Bein in vier Ausführungen angeboten:
- als Wadenstrumpf (AD)
- Halbschenkelstrumpf (AF)
- Schenkelstrumpf (AG)
- Strumpfhose (AT).
Alle haben eine definierte Länge (A bis D-T). Die Norm sieht für jeden Strumpftyp drei verschiedene Längen vor, damit kurze, normale und lange Beine versorgt werden können.
Im Armbereich stehen Armstrümpfe zur Verfügung:
- mit und ohne Schulterkappe
- mit oder ohne angestricktem Handteil.
Für die Versorgung von Zehen- und/oder Fingerödemen werden spezielle maßgefertigte Kompressionsteile angeboten.
2.2.2. Umfänge
Die Umfänge definieren sich am Bein aus den Maßen a bis g, ermittelt an den Längenmesspunkten A bis G. Die Norm fordert für Serienstrümpfe eine Reihe von Umfangmaßen für das schlanke, normale und kräftige Bein.
2.2.3. Fußspitze, Ferse und Hand
Der MKS hat eine offene oder eine geschlossene Fußspitze. Der
Fußspitzenbereich sollte elastisch sein, damit es nicht zu
Einschnürungen kommt. Die bei sämtlichen angebotenen Strümpfen
geschlossene Ferse muss elastisch gearbeitet sein.
Armstrümpfe können die Hand einschließen oder aussparen.#
2.2.4. Anmessen, Konfektions- und Maßstrümpfe, Größen
Ein MKS kann seine Wirkung nur bei einer adäquaten Passform
entfalten, d.h., die Längen- und Umfangmaße müssen die jeweils
besondere Anatomie des betroffenen Beines berücksichtigen. Da die MKS
am Bein vom Patienten in aufrechter Körperhaltung getragen werden, ist
das Anmessen am stehenden Patienten zu empfehlen, insbesondere bei A
bis G- bzw. T-Strümpfen und bei Adipösen. Sind beide Beine mit einem
MKS zu versorgen, so ist jede Extremität einzeln zu vermessen.
Bei
Übereinstimmung der gemessenen Umfang- und Längenmaße mit den Normmaßen
sollte ein Serienkompressionsstrumpf gewählt werden. Relevant
abweichende Maße erfordern häufig die Versorgung mit einem nach Maß
angefertigten Strumpf.
MKS der Kompressionsklasse 4 sollten immer
nach Maß angefertigt werden. In der Kompressionsklasse 3 ist dies im
Einzelfall erforderlich.
Auf dem Rezept müssen folgende Kriterien vermerkt sein:
- Anzahl
- Strumpflänge
- Kompressionsklasse
- Diagnose
- Maßanfertigung bei Bedarf vermerken
Fakultativ kann Befestigungsart und Fußspitzenfertigung (offen, geschlossen) angegeben werden. Da es in jeder Kompressionsklasse unterschiedliche Materialien mit unterschiedlicher Elastizität und Wirksamkeit gibt, ist meist eine Produktangabe sinnvoll, die ggf. mit „nihil alter“ gekennzeichnet werden sollte. Es ist daher ärztliche Aufgabe, das Hilfsmittel entsprechend auszusuchen.
2.2.5. Andruckwerte und Druckverlauf
Die MKS der Kompressionsklasse 1, 2, 3 und 4 unterscheiden sich
voneinander in der Intensität des Andrucks in Ruhe auf die Extremität.
Die im Fesselbereich (b-Maß) geforderten Andrücke sind Tabelle 1 zu
entnehmen. Der MKS muss eine kontinuierliche Druckabnahme von distal
nach proximal aufweisen.
Die Kompressionsklassen sind anhand des
Ruhedrucks im Fesselbereich genormt. Für die Wirksamkeit des
Kompressionsstrumpfes ist aber nicht nur der Ruhedruck, sondern auch
das Material, das sich bezüglich Dehnbarkeit und Elastizität
unterscheidet, von großer Bedeutung. Aus diesem Grund gibt es in den
verschiedenen Kompressionsklassen Strümpfe aus unterschiedlichen
Materialien.
| Kompressions-Klasse | Intensität | Druck/mmHg | kPA |
| 1 | leicht | 18-21 | 2,4-2,8 |
| 2 | mittel | 23-32 | 3,1-4,3 |
| 3 | kräftig | 34-46 | 4,5-6,1 |
| 4 | sehr kräftig | 49 und größer | 6,5 und größer |
Tab. 1: Andrücke im Fesselbereich nach RAL GZG 3872.2.6. Verordnung der Strumpfart und Kompressionsklasse
Die Strumpfart und die Stärke des erforderlichen Andrucks, d.h. die Kompressionsklasse, sind abhängig von der:
- Diagnose
- Lokalisation der Abflussstörung
- und dem klinischen Befund.
Eine starre Zuordnung einer Kompressionsklasse zu einer Diagnose ist
nicht sinnvoll. Ziel der Kompressionstherapie ist die Besserung des
klinischen Befundes. So kann bei einer Varikose ohne ausgeprägte
Ödembildung auch eine Kompressionsklasse 1 zur Beseitigung der
Beschwerden führen, während bei fortgeschrittenem Ödem und
Hautveränderungen eher eine höhere Kompressionsklasse erforderlich
wird. Beim beginnenden postthrombotischen Syndrom reicht meist eine
Kompressionsklasse 2 aus, während in schwereren Stadien höhere
Kompressionsklassen und kurzzugige Materialien erforderlich sein
können. Beim beginnenden Lymphödem (Stadium I) reicht meist eine
Kompressionsklasse 2, während im Stadium III meist der höhere
Anpressdruck der Kompressionsklassse 3 oder 4 notwendig sein kann.
Ist der Patient physisch nicht in der Lage, den Kompressionsstrumpf der
hohen Kompressionsklassen 3 und 4 selbständig anzuziehen, ist
alternativ das Übereinandertragen von MKS niedrigerer
Kompressionsklassen zu empfehlen.
2.2.7. Materialien
Kompressionsstrümpfe haben in ungedehntem Zustand eine
Materialstärke von 0,5 bis 1,4 mm und sind in unterschiedlicher
Zusammensetzung aus Polyamid, Elastan, Baumwolle, Elastodien, Viskose
oder Microfasern gefertigt.
- Polyamid (PA, Nylon®, Perlon®)
Polyamidfaserstoffe sind alterungs-, insekten- und fäulnisbeständig, mottensicher und resistent gegen Mikroorganismen. Der Feuchtigkeitsgehalt beträgt maximal 0,06%. - Elastan (EL, Lycra®)
Dieses Material besteht zu 85% aus Polyurethan (PU). Die hochelastischen Fasern sind widerstandsfähig gegen nahezu alle verdünnten Säuren und Laugen sowie Öle und Fette. Sie sind alterungs-, licht- und bis zu 150°C temperaturbeständig. Die Feuchtigkeitsaufnahme ist mit 1,5% sehr gering. - Baumwolle (BW)
Bei der BW handelt es sich um die Samenhaare der einjährigen, strauchartigen, meist 2 bis 3 m hohen Baumwollpflanze aus der Familie der Malvaceae. Rohe BW enthält im allgemeinen 83-85% reine Zellulose. BW ist kochfest und sterilisierbar; die statische Aufladung ist nur gering. Die Elastizität beträgt ca. 40%, der Wassergehalt unter normalen Bedingungen 8%. - Elastodien (ELA, Naturgummi, Naturkautschuk)
Grundstoff ist der Milchsaft (Naturlatex) des Parakautschukbaumes, der durch Anschneiden der Rinde gewonnen wird. ELA zeichnet sich durch eine besonders hohe elastische Dehnbarkeit aus. Es ist allerdings unbeständig gegen Fette und viele chemische Substanzen. Bei hoher Temperatur (z.B. bei der Sterilisation) wird ELA zerstört. Die Wasseraufnahme ist gering. - Viscose (CV, Zellwolle)
Die Zellwolle ist im Unterschied zur nativen Baumwolle eine regenerierte Zellulosefaser, eine Chemiefaser. Viskose hat einen Feuchtigkeitsgehalt von 5 bis 15% und gilt als Ersatz für Baumwolle. Wie diese besitzt sie eine hohe Saugfähigkeit für Wasser (Quellfähigkeit 85-120%). - Mikrofaser
Es ist die allgemeine Bezeichnung für Polyamid- und Polyesterfasern (Feuchtigkeitsgehalt 0,5-4%) mit einer Feinheit von 0,1-1 dtex, d.h., 10 000 m – 100 000 m dieser Faser wiegen 1 g. Sie sind somit wesentlich feiner als Naturfasern. Bekannte Materialien sind Tactel® und Trevira Finesse®.
2.2.8. Verträglichkeit
Zur Verträglichkeit medizinischer Kompressionsstrümpfe liegen
keine Untersuchungen vor. Eine Allergie in Form einer Urtikaria
(Soforttypallergie) oder eines Kontaktekzems (Spättypallergie) auf
Polyamid, Elastan, Baumwolle, Viskose oder die Mikrofaser ist
sicherlich extrem selten. Häufiger kommt eine Allergie auf Latex oder
Gummiinhaltsstoffe vor.
Das Tragen eines MKS sollte die hautphysiologischen Bedingungen hinsichtlich des pH-Wertes nicht verändern.
Nach der 5. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung
dürfen die Azofarbstoffe, die krebserregende Amine (Arylamine)
abspalten, nicht mehr in den MKS enthalten sein. Die Verwendung von
Chrom-IV-Verbindungen und gewissen Flammschutzmittel ist untersagt.
Wegen der hohen Allergisierungsquote rät das Bundesinstitut für
gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin vom Gebrauch
folgender Dispersionsfarbstoffe ab:
- Dispersionsblau 1, 35, 106, 124
- Dispersionsgelb 3
- Dispersionsorange 3
- 37/76 und Dispersionsrot
Die baumwollhaltigen MKS dürfen verbotene Pestizide nicht enthalten, die festgelegten Grenzwerte dürfen für Insektizide, Herbizide, Pyrethroide und chlorierte Phenole nicht überschritten werden.
2.2.9. Haltbarkeit
Es sollte normale Trage- und Verschleißbedingungen
vorausgesetzt, eine Haltbarkeit von mindestens sechs Monaten
gewährleistet sein. Bei vorzeitigem nutzungsbedingten Verschleiß, wie
auch bei krankheitsbedingtem Verschleiß und bei krankheitsbedingter
Formänderung des Beins, ist eine erneute Verordnung eines MKS
erforderlich.
2.2.10. Kennzeichnung
Jeder Kompressionsstrumpf sollte mit folgenden Informationen dauerhaft gekennzeichnet sein:
- Hersteller
- Produktname
- Spinnstoffzusammensetzung
- Kompressionsklasse
- Strumpftyp oder Größenbezeichnung
- Wasch- und Pflegesymbole
MKS sind im Medizinproduktegesetz der Risikoklasse I zugeordnet. D.h., der Hersteller darf nach Erfüllen der Richtlinien das CE-Zeichen am Strumpf selbst anbringen. MKS werden im Universal Medical Device Nomenclature System (UMDNS) unter der Nr. 13-789 geführt. Eine Herstellung nur gemäß CE-Kriterien garantiert nicht die für eine dosisgenaue medizinische Therapie notwendigen Voraussetzungen.
3. Indikationen
Varikose
- Varikose primär und sekundär
- Varizen in der Schwangerschaft
- die Sklerosierungstherapie unterstützend
- nach venenchirurgischen Eingriffen
Thromboembolie
- Thrombophlebitis (superfiziell) sowie Zustand nach abgeheilter Phlebitis
- tiefe Beinvenenthrombose
- Zustand nach Thrombose
- postthrombotisches Syndrom
- Thromboseprophylaxe bei mobilen Patienten
Chronische Veneninsuffizienz (CVI)
- CVI der Stadien I bis III nach Widmer bzw. C1S-C6 nach CEAP
- Ulkusprävention und Ulkustherapie
- Leitveneninsuffizienz
- Angiodysplasie
Ödeme
- Lymphödeme
- Ödeme in der Schwangerschaft
- posttraumatische Ödeme
- postoperative Ödeme
- zyklisch idiopathische Ödeme
- Lipödeme ab Stadium II
- Stauungszustände infolge Immobilitäten (arthrogenes Stauungssyndrom, Paresen und Teilparesen der Extremität)
Andere Indikationen
- Zustand nach Verbrennungen
- Narbenbehandlung
4. Absolute Kontraindikationen
- fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit
- dekompensierte Herzinsuffizienz
- septische Phlebitis
- Phlegmasia coerulea dolens
5. Relative Kontraindikationen
- ausgeprägte nässende Dermatosen
- Unverträglichkeit auf Kompressionsstrumpfmaterial
- schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität
- fortgeschrittene periphere Neuropathie (z.B. Diabetes mellitus)
- primär chronische Polyarthritis
6. Risiken und Nebenwirkungen
Medizinische Kompressionsstrümpfe können insbesondere bei unsachgemäßer Handhabung
- Hautnekrosen und
- Druckschäden auf periphere Nerven
verursachen.
7. Pflege
Es empfiehlt sich, die MKS täglich zu waschen, da Schweiß und
Schmutz das Material angreifen. Im Übrigen wird auf die Wasch- und
Pflegehinweise der Hersteller verwiesen.
8. Wirksamkeit
Der MKS hält über viele Stunden den Kompressionsdruck aufrecht
(Coleridge-Smith P et al., Jünger et al.). Auch nach ganztägigem Tragen
verliert der MKS seine elastische Rückstellkraft nicht. In einzelnen
Studien war die Compliance des MKS besser als die mit dem
Kompressionsverband (Bond et al. 1999).
I. Prävention
Venöses Ödem
EM-GR B Patienten mit Ödem und
chronisch-venöser Insuffizienz zeigten nach 12-wöchigem Tragen eines
MKS eine Persistenz der zuvor erreichten deutlichen Volumenreduktion
des Beines (Diehm et al.).
Reiseödem
EM-GR A Der MKS verringert eine Ödembidlung auf längeren Flügen (Loew et al., Belcaro et al.).
Reisethrombose
EM-GR A Ein Wadenstrumpf mit
niedrigem bis mittlerem Kompressionsdruck reduziert signifikant das
Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose auf Langstreckenflügen (Hsieh,
Scurr et al., Belcaro et al.).
Bezüglich des Auftretens einer
Thrombophlebitis auf Langstreckenflügen liegen widersprüchliche
Ergebnisse vor (Hsieh, Scurr et al. (2001), Belcaro et al.).
Postthrombotisches Syndrom
EM-GR A Der MKS
reduziert nach stattgehabter tiefer Beinvenenthrombose das Risiko eines
postthrombotischen Syndroms (Brandjes et al., Prandoni et al., Kolbach
et al.).
Ulcus cruris Rezidiv
EM-GR B Der MKS reduziert nach Ulkusabheilung das Risiko eines Rezidivs (Nelson et al., Harper et al., Vandongen et al.).
Varizenchirurgie
EM-GR B Der MKS vermindert das Risiko eines postoperativen Frührezidivs während eines Jahres (Travers et al.).
EM-GR B Postoperativ ist der MKS dem Kompressionsverband gleichwertig,
bezüglich Schmerzreduktion und Mobilität überlegen (Bond et al.).
II. Therapie
Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
EM-GR A Der
frühe Einsatz des MKS bei TVT ist effektiv. Das Tragen eines MKS
während einer ambulanten Behandlung nach tiefer Beinvenenthrombose ist
ebenso effektiv hinsichtlich Schmerzen und Ödembildung wie die
Kompression durch einen fixen Verband und besser als die stationäre
Therapie ohne Kompression (Blättler et al., Partsch et al.).
EM-GR
A Bei ambulanter Behandlung der TVT mit MKS treten Lungenembolien nicht
häufiger auf bei stationärer Therapie (Schellong et al.).
EM-GR B
Der direkte Einsatz des MKS mit Feststellung der TVT ohne vorhergehende
Anlage eines Kompressionsverbandes ist in der überwiegenden Anzahl der
Fälle möglich (Blättler et al. (2000), Gerlach et al., Blättler et al.
(2005)).
Venöse Symptome
EM-GR A Der MKS verbessert die subjektive venöse Symptomatik.
Bei Patienten mit geringgradiger chronisch-venöser Insuffizienz führt
der MKS (KKL I) nach vierwöchigem Tragen zu einer Reduktion des
Beinödems und zur Verbesserung der Lebensqualität (Benigni et al,
Vayssairat et al.).
Weiss et al. (1999 und 1999) konnten bei
Flugbegleitern zeigen, dass das Tragen von MKS (Kompressionsklasse 1
und 2) die Symptome Schwellneigung, Müdigkeit und Schmerzhaftigkeit
der Beine signifikant verringert.
EM-GR B Der MKS verbessert die Symptome einer Varikose in der Schwangerschaft (Thaler et al.).
Sklerotherapie
EM-GR B Der MKS verbessert das Ergebnis der Sklerotherapie.
Wird nach der Sklerotherapie von Besenreisern und retikulären Varizen
ein MKS getragen, verbessert sich das Therapieergebnis signifikant. Das
Auftreten von Hyperpigmentierungen wird wesentlich verringert (Weiss et
al. 1999, 1999). Scurr und Mitarbeiter fanden bei sklerotherapierten
Patienten nach Kompression bessere Ergebnisse, weniger
Thrombophlebitiden und die Patienten zeigten sich zufriedener im
Vergleich zu denen, die keine Kompression bekamen.
Varizenchirurgie
EM-GR B Der MKS nach Varizenoperation angewendet vermindert das Risiko einer Thrombophlebitis.
In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass das Tragen eines MKS
nach Venenoperationen die Gefahr der Thrombophlebitis (Shouler et al.)
und das Rezidiv vermindert, allerdings nicht die postoperativen
Schmerzen (Bond et al.).
Lipodermatosklerose
EM-GR B Der MKS vermindert die Lipodermatosklerose.
Vandongen und Stacey wiesen nach, dass das Tragen eines MKS über 6-12
Monate bei Patienten mit einer Lipodermatosklerose den Herd der
Hautveränderungen signifikant verkleinert.
Ulcus cruris
EM-GR A Der MKS ist zur Therapie des venösen Ulkus gut geeignet.
In einigen randomisierten kontrollierten Studien ist dies nachgewiesen
worden: Cullum et al., Hendricks et al., Horakova et al., Jünger et al..
Speziell für die Behandlung des Ulcus cruris gefertigte
Kompressionsstrümpfe haben nach Ergebnissen in prospektiven
randomisierten Studien gleichwertige Ergebnisse wie der
Kompressionsverband erzielt (Jünger et al., Vanscheidt et al.).
Lymphödem
EM-GR B Der MKS reduziert das Extremitäten-Lymphödem.
(Andersen et al., Bertelli et al., Badger et al., Badger et al. (Cochrane) und Mc Neely et al.
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Dermatol. Surg. 25, 105-108, 1999 (B/II)
Autoren:
V. Wienert, H. Gerlach, G. Gallenkemper, B. Kahle, M. Marshall, E. Rabe, D. Stenger, M. Stücker, F. Waldermann, M. Zabel.
Erstellungsdatum: 04.10.2006
Nächste Überprüfung geplant: Oktober 2011
Interessenkonflikte: keine

