Ob ins tief verschneite Gebirge oder in den sonnigen Süden – der Urlaub gilt sicherlich bei den meisten Menschen als die schönste Zeit des Jahres. Kehrseite der Medaille ist die oft sehr langwierige Hin- und Rückreise. Über viele Stunden im Auto oder im Zug zu sitzen, beeinträchtigt den Rückfluss des Blutes zum Herzen und belastet so das Venensystem der Beine. Im Bus und insbesondere im Flugzeug kommen die meist sehr beengten Platzverhältnisse noch erschwerend hinzu. Gerade auf langen Flügen in der „Holzklasse“ wächst sogar das Risiko für eine Venenthrombose. Bei dieser Erkrankung bildet sich in einer tief liegenden Beinvene ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß ganz oder teilweise verstopft.

Doch keine Sorge. Die folgenden Ratschläge helfen Ihnen und ihren Beinvenen dabei, auch mehrstündige Reisen unbeschadet zu überstehen:

  • Legen Sie auf Autofahrten alle zwei, drei Stunden eine ausgiebige Pause ein. Steigen Sie aus dem Wagen aus und machen Sie einen kleinen Spaziergang. Das bringt die Blutzirkulation in den Beinvenen wieder in Schwung.

  • Verschaffen Sie Ihren Füßen und Beinen auch auf Bus-, Zug- oder Flugreisen möglichst viel Bewegung. Unternehmen Sie einen Ausflug ins Zugrestaurant, gehen Sie, wenn es erlaubt ist, ein wenig im Gang des Flugzeuge umher.

  • Treiben Sie unterwegs Venengymnastik. In unserem Venentraining finden Sie verschiedene Übungen, mit denen Sie Ihre Venen auch im Sitzen entlasten können und die sich teilweise selbst in einem vollbesetzen, engen Urlaubsflieger durchführen lassen.

  • Wählen Sie bei Trips mit Bus oder Flugzeug einen Sitzplatz am Gang. Zum einen können sie dann die Beine bequem ausstrecken, zum anderen fällt es dort leichter, die eine oder andere Venenübung durchzuführen.

  • Achten Sie bei der Kleidung ebenfalls auf Bequemlichkeit. Greifen Sie zu luftigen und eher locker sitzenden Kleidungsstücken, die vor allem an den Beinen, aber auch am Bauch nicht einschnüren.

  • Ziehen Sie unterwegs die Schuhe aus und stattdessen wärmende Socken an. So können Sie Füße und Zehen besser bewegen. Wenn Ihnen das in Flugzeug oder Zug zu unangenehm ist, sollten Sie flaches, komfortables Schuhwerk tragen – zum Beispiel Turn- beziehungsweise Sportschuhe.

  • Verändern Sie häufiger die Sitzposition. Sollte in Bahn und Flieger der Platz gegenüber oder nebenan frei sein, dann nutzen Sie die Gelegenheit und legen Sie die Beine hoch.

  • Vermeiden Sie es möglichst, länger im Sitzen mit angewinkelten oder übereinandergeschlagenen Beinen zu schlafen. Die in dieser Haltung abgeknickten Venen können den Blutfluss beeinträchtigen. Aus diesem Grund sollten Sie sich auch beim Gebrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in Zurückhaltung üben – insbesondere auf Fernflügen.

  • Vergessen Sie nicht, auf Flugreisen ausreichend zu trinken. Da im Flugzeug die Luft sehr trocken ist, verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit, die wieder ersetzt werden muss. Sonst dickt das Blut ein und das Risiko einer Venenthrombose nimmt zu. Experten empfehlen eine Trinkmenge von mindestens 0,25 Liter pro Flugstunde.

  • Verzichten Sie während der Reise weitgehend auf alkoholische Getränke. Alkohol weitet die Venen, wirkt darüber hinaus entwässernd und stört somit die Blutzirkulation an den Beinen noch zusätzlich. 

  • Wenn der Arzt Ihnen eine Kompressionstherapie verschrieben hat, dann sollten Sie ihre Kompressionsstrümpfe in jedem Fall auch während der Reise tragen.

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Kniehohe Kompressionsstrümpfe verringern nachweislich die Wahrscheinlichkeit, auf Langstreckenflügen eine tiefe Beinvenenthrombose zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der renommierten Cochrane Collaboration durch die Auswertung von neun vergleichenden Studien, an denen insgesamt über 2600 Fluggäste teilnahmen – das Gros davon mit einem nicht oder nur gering erhöhten Thromboserisiko. Wer also auf langen Reisen in Flugzeug, Bus, Bahn oder Auto Kompressionstrümpfe anzieht, geht damit ein Stück weit auf Nummer sicher.

Info

Sollten Sie trotz aller Vorsichtmaßnahmen nach einer längeren Reise ein einseitig geschwollenes, schmerzendes, gerötetes Bein oder eine neu aufgetretene Luftnot bei sich feststellen, suchen Sie bitte sofort ärztliche Hilfe. Warten Sie damit nicht bis zur Rückkehr nach Deutschland. In diesem Fall muss umgehend geklärt werden, ob bei Ihnen eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie vorliegt. Letzteres ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation der Thrombose, die dadurch entsteht, dass das Blutgerinnsel abreißt, in die Lungengefäße gelangt und diese verstopft.

Bei Menschen mit einem sehr stark erhöhten Thromboserisiko gestaltet sich die Situation anders. Dann sollte vor allem bei Flugreisen mit mehr als vier bis sechs Stunden Länge erwogen werden, ob zusätzlich zur Kompression eine vorrübergehende Therapie mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten erforderlich ist. Diese Wirkstoffe – in der Regel handelt es sich um eine Heparin-Spritze – beugen der Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen vor. Ein sehr hohes Risiko liegt vor allem dann vor, wenn Sie schon einmal eine tiefe Venenthrombose oder eine Lungenembolie hatten. Aber auch bei Patienten, die akut an Krebs erkrankt sind oder an einer ausgeprägten Blutgerinnungsstörung leiden, in den letzten vier Wochen am Bein, Becken oder Bauch operiert wurden sowie bei Frauen, die schwanger sind oder erst vor kurzem entbunden haben.

Ausgeprägtes Übergewicht, ein Lebensalter über 60 Jahre, Rauchen, eine chronische Herzschwäche oder die Einnahme weiblicher Hormone erhöhen ebenfalls das Thromboserisiko. Wenn mehrere dieser Faktoren bei Ihnen zusammentreffen, sollten Sie deshalb vor einer längeren Reise mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Die gleiche Empfehlung gilt letztlich auch, wenn Sie als Venenpatient zwar kein erhöhtes Thromboserisiko haben, sich vor einem langen Trip mit Flugzeug, Bus, Bahn oder Pkw aber trotzdem unsicher fühlen. Bereden Sie die Situation mit einem Phlebologen.

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