Einige Eindrücke vom Festabend

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Samstag

Doz. Dr. T. Kölbel organisierte und moderierte eine herausstechende Sitzung zur endovaskulären Therapie im tiefen VenensystemDoz. Dr. T. Kölbel organisierte und
moderierte eine herausstechende
Sitzung zur endovaskulären Therapie
im tiefen Venensystem

Der Samstag begann mit einer Sitzung zur interventionellen Therapie im tiefen Venensystem. Den Vorsitz hatten Herr T-Kölbel und Herr F. Tato. Hier ging es zunächst über die verschiedenen Formen der Diagnostik. Die CT-Phlebographie wurde ebenso wie die MR- Phlebographie mit Pooling-Kontrastmitteln in ihrem Stellenwert thematisiert. IVUS in akuten und chronischen Verschlussprozessen wurde ausführlich dargestellt.

Im therapeutischen Bereich wurden neben invasiven Lyseformen auch die interventionellen Techniken besprochen, die sowohl mit Intervention und Stentimplantation bei den chronisch-venösen Obstruktionen als auch beim Pelvic congestion Syndrome mit Coilingmethoden zum Einsatz kommen. Hiermit könnte Patientengruppen geholfen werden, die bisher lange und oft vergeblich auf Therapien warten mussten.

Herr Tato beschreibt die Sitzung wie folgt:

Fortschritte in der vaskulären Bildgebung und in den endovaskulären Therapieverfahren eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von akuten und chronischen Venenerkrankungen. Die gelungene Sitzung vermittelte einen ausgewogenen Überblick über dieses sehr innovative Feld der Phlebologie.

Herr Wildberger erörterte mit beeindruckendem Bildmaterial den heutigen Stellenwert der CT- und der MR-Phlebographie. Für die Diagnostik der akuten TVT bleibt die Duplexsonographie die diagnostische Methode der 1. Wahl. Für besondere Fragestellungen vermag die CT-Phlebographie die proximale Ausdehnung einer akuten Thrombose exakt darzustellen. Vorteile der Methode sind die kurze Untersuchungszeit und die Möglichkeit der simultanen Lungenemboliediagnostik. Limitiert wird diese Methode durch die Strahlen- und Kontrastmittelbelastung. Radiologische Schnittbildverfahren sind besonders für die exakte morphologische Abklärung chronischer Verschlüsse des tiefen Venensystems vor einer invasiven Rekanalisation unentbehrlich. Für diese Indikation ist heute die MR-Phlebographie die Methode der Wahl.

In seinem didaktisch hervorragenden Beitrag, präsentierte Herr Néglen, MD, PhD, Daten zum Stellenwert des intravaskulären Ultraschalls (IVUS) für die endovaskuläre Therapie von Stenosen der Iliacalvenen. Seine mit IVUS erhobenen Befunde zeigen beeindruckend, dass die rein phlebographische Darstellung für die Beurteilung der hämodynamischen Wirksamkeit venöser Stenosen unzureichend ist. Der IVUS ist die zuverlässigste Methode für die Visualisierung der Stenosen und für die Steuerung der exakten Stentplatzierung.

Kathetergesteuerte Fibrinolyseverfahren finden immer mehr Eingang in die Therapie der akuten Bein- und Beckenvenenthrombose. Neue Verfahren setzen insbesondere auf die Kombination aus Thrombusfragmentierung und pharmakologischer Fibrinolyse. Herr A.H. Kamhawy stellte die Ergebnisse einer manuellen Puls-Spray-Applikation von Streptokinase in den Thrombus dar. Herr J. Grommes untersuchte die Kombination aus Thrombusfragmentierung mit Hochfrequenzultraschall und rtPA (EKOS® EndowaveTM System). Beide Vorträge zeigten hohe Rekanalisations- und niedrige Komplikationsraten mit diesen neuen Verfahren. Vergleichende Langzeituntersuchungen zur konventionellen Thrombosetherapie sind jetzt erforderlich, um den klinischen Stellenwert dieser Verfahren einzuordnen.

Endovaskuläre Techniken werden zunehmend eingesetzt, um chronische, postthrombotische Okklusionen der Beckenvenen zu rekanalisieren. An einem Kollektiv von 53 Patienten konnte Herr J. Grommes eine sehr gute primäre Erfolgstate der stentgestützten PTA chronischer Beckenvenenverschlüsse aufzeigen. Reststenosen und Reverschlüsse kommen allerdings im kurz- und mittelfristigen Verlauf vor. Die gezeigten Ergebnisse sind erfolgsversprechend. Die Indikation und die Selektion der Patienten für diese Verfahren muss allerdings noch in großen Langzeitstudien erarbeitet werden.

Das Pelvic Congestion Syndrome (PCS) ist eine für die betroffenen Patientinnen sehr belastende Problematik, die bisher nur in wenigen Zentren kompetent abgeklärt und behandelt wird. Herr B. Geier zeigte eine sorgfältige Aufarbeitung eines großen Kollektivs von Patientinnen, die wegen PCS behandelt wurden. Die exakte phlebographische Diagnostik mit Identifikation der Refluxquellen ist entscheidend für den Therapieerfolg. Bei vielen Patientinnen ist zusätzlich zur V. ovarica eine Insuffizienz der V. iliaca interna an der Entstehung des PCS beteiligt. Endovaskuläre Verödungstechniken zeigen vielversprechende Erfolgsraten – aber nur wenn alle Refluxquellen ausgeschaltet werden können.


Auch die zweite Sklerosierungssitzung war exzellent besuchtAuch die zweite Sklerosierungssitzung
war exzellent besucht

In einer weiteren Sitzung zur Sklerosierung wurden interventionelle Methoden zur Verödung der Varikozele sowie zur Versorgung blutender retikulärer Venen beschrieben. Mit Clarivein wurde ein weiteres Verfahren zur Behandlung der Vena saphena magna Varikosis in der Kombination einer mechanischen Irritation der Intima mit flüssigen und schaumbasierten Verödungsmitteln dargestellt. Aus München wurde die Datenbank über die Sklerotherapie von Krampfadern und Besenreisern in Deutschland vorgestellt. Erste Ergebnisse einer Cyanoacrylat-Verklebung der Vena saphena magna rundeten die Sitzung ab.

Die detaillierte Schilderung von Frau S. Reich-Schupke gibt einen her vorragenden Einblick auch in diese Sitzung:

Zwei Vorträge kamen von Herrn C. Ragg bzgl. Durchleuchtungsverfahren zur verbesserten Übersicht im Rahmen der Schaumsklerosierungstherapie bei der Varikozele sowie bei konvolutartigen Rezidivvarizen. Spannende Ansätze, schöne Bilder, aber sicher eher etwas für den Radiologen als für den klassischen Phlebologen.

Es folgte ein etwas unübersichtlicher Vortrag von Herrn A.H. Kamhawy aus Tanta (Ägypten) bzgl. der lokal an der Stelle der Blutung kombinierten Versorgung von retikulären Varizenblutungen mittels Varizen-OP und Schaumsklerosierung. Interessanterweise scheinen die Blutungen in einem nicht unwesentlichen Anteil mit proximal davon lokalisierten Thrombophlebitiden einher zu gehen, die sich zumeist erst intraoperativ nachweisen lassen und klinisch zuvor inapparent waren.

Dann kam die Vorstellung des Clarivein-Verfahrens durch K. Hartmann. Er benutzt in abgewandelter Form Schaum- und Flüssigsklerosierung. Dies geschieht off-label entgegen den Empfehlungen des US-Herstellers, reine Flüssigsklerosierung zu verwenden. Dies löste eine rege Diskussion über den Sinn und Vorteil dieses Verfahrens im Vergleich zur klassischen Sklerosierung mittels Katheter OHNE mechanische Komponente aus. Letztlich sind Langzeitdaten abzuwarten.

S. Guggenbichler gab einen Überblick über eine Vorabanalyse der Daten des Deutschen Sklerotherapieregisters. Die gewonnen Daten zeigen positive Ergebnisse bzgl. des Effekts und der Nebenwirkungen der Sklerosierungstherapie. Letztlich ist aber einzuschränken, dass es Eigenbeurteilungen der behandelnden Ärzte sind, die in das Register eingegeben werden. Die Zahl der bisher beteiligten Praxen und Kliniken ist relativ gering, so dass es fraglich ist, inwieweit sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen. In der Diskussion wurde v.a. auf sehr seltene allergische Reaktionen zum Polidocanol eingegangen.

Der Vortrag von T. Pröbstle zur Verwendung von klebrig-geligen Cyanoacrylat zum Verschluss einer V. saphena magna in einer Studie aus der Dominikanischen Republik mit Daten über 180 Tage sorgte für heftige Diskussion und Erhitzung der Gemüter. Die vorgestellten Daten aus der Studie waren extrem gut. Die anwesenden „älteren“ Phlebologen verwiesen v.a. auf die bereits einige Jahre zurück liegenden unangenehmen und stark nebenwirkunsgbehafteten Ereignisse rund um den subkutanen Einsatz von Klebern. Letztlich bleibt abzuwarten, ob sich dieses Verfahren, tatsächlich auch außerhalb der Dominikanischen Republik auf dem Markt wieder findet. Vorteile sind sicherlich, die nicht notwendige Tumeszenz sowie die nicht notwendige Kompressionstherapie.

In einer zweiten Sitzung zur endoluminalen Varizentherapie wurden dann verschiedene Formen zur Behandlung der Primär- und Rezidivvarikosis beschrieben. Dies reichte von der Lasertherapie mit verschiedenen Wellenlängen und Kombinations-Therapien bis hin zur Verbindung der Radiofrequenz-Therapie mit einer endoskopisch videoassistierten Crossektomie.

In einem sehr interessanten Vortrag wurde dann auf die Wirkweise der Lasersysteme Bezug genommen. Unabhängig von Nebenwirkungsüberlegungen wurde hier noch auf das Urprinzip dieser Therapieform – die Bildung sog. Bubbles und deren thermischer distribuierter Wirkung- hingewiesen, die dem 810 Nm Laser durch sein Wirkprinzip erhebliche Effektivität attestierte.


Parallel verlief eine weitere Sitzung zur Kompression, in welcher viele Aspekte der effektiven Druckpolsterung und zielgerichteten Strumpfanpassungen durch Druckmessungen am Patientenbein dargestellt wurden. In einem Vortrag wurde herausgearbeitet, dass Kompressionsstrümpfe mit niedrigem Anpressdruck durchaus eine hohe Effektivität erzielen können.

Dr. G. GallenkemperDr. G. Gallenkemper Prof. V. WienertProf. V. Wienert

 

Dr. G. Gallenkemper und Prof. V. Wienert hielten bis zum Schluss in der Kompressionssitzung die wissenschaftliche Spannung aufrecht.

 


Nach diesen letzten beiden Parallelsetzungen endete der Kongress mit einem Schlusswort, dass die Vielfalt des Kongresses Revue passieren ließ und von der kommenden Präsidentin, Frau Professor Birgit Kahle mit der Einladung in ihre Heimatstadt zum Kongress 2012 in Lübeck beendet wurde.

Die Übergabe des Stafelstabs und des Vorschusslorbeers durch den Kongresspräsidenten an seine Nachfolgerin, Frau Prof. B. KahleDie Übergabe des Stafelstabs und des
Vorschusslorbeers durch den
Kongresspräsidenten an seine
Nachfolgerin, Frau Prof. B. Kahle

Abgerundet wurde der Kongress durch eine Vielzahl von Firmensymposien und Veranstaltungen, die in wissenschaftlich anspruchsvoller Weise vielerlei Aspekte der im Hauptprogramm angesprochenen Themen aufnahmen, vertieften und wertvoll ergänzten. Auch diese Veranstaltungen waren durchweg gut besucht.

Vielen Besuchern wird der Kongress in Berlin auch deshalb in Erinnerung bleiben, weil ein Rahmenprogramm bei einem Himmel ohne jegliche Wolke wahrgenommen werden konnte. Die sommerlichen Temperaturen machten es vielen Besuchern möglich, Berlin von seiner besten Seite zu sehen.

Insgesamt wurden während der 53. Jahrestagung folgende Preisträger geehrt:

Ratschow-Medaille:

Prof. Neumann
, Rotterdam
Bauerfeindpreise:

Cand med. Gesine Schönitz, Universität Greifswald
Cand. med. David Fischer, Universität München
Hartmannpeise:

Dr. med. Joachim Klode, Essen
Dr. med. Torsten Willenberg, Bern
Travel Awards (Fa. Kreussler):

Dr. Anke Leiste, Bochum
Doeke Boersma, MD, Nieuwegein, The Netherlands
Prof. Dr. Adel Husseiny Kamhawy, Tanta, Egypt
Rednerpreise:

Peter Néglen, MD, PhD, Trimiklini, Cyprus
Prof. Dr. Sebastian Schellong, Dresden
Posterpreise (JUZO):

Dr. med. Stephan Diedrich, Greifswald
cand. Med. Christof Zerweck, Bad Krozingen
Schnitzeljagd:
 
  1. Preis: Kongressbesuch 2012 (medi  GmbH & Co KG): Désirée Hinze, Tübingen
  2. Preis: Fachbuch (Ofa Bamberg GmbH): Stefan Olbrich, Bad Oeynhausen
  3. Preis: Ipod (Kröner Medizintechnik): Lisa Seelinger, Lampertheim
  4. Preis: Fachbuch (Viavital Verlag): Dirk von Dalwig-Nolde, Bielefeld
  5. Preis: Sonde zur Wahl (Gutmann MD GmbH, Covidien Deutschland GmbH, Kröner Medizintechnik): Dr. Stefan Mohr, Bad Säckingen
  6. Preis: Buchgutschein: biolitec biomedichal technology GmbH: Anja Dörrler-Behrendt, Sonthofen

Dr. I. Flessenkämper
Präsident der 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP)
Berlin 2011


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DGP Jahrestagung 2016 Dresden

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie findet vom 7.-10.9.2016 in Dresden unter dem Motto „Wissen schaf(f)t Brücken“ statt.

www.angio-phlebo-logie-2016.net