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2012 AWMF-BerichtPräsidium: Es wurden für die Wahl zum Präsidium im Mai 2012 81 Stimmzettel abgegeben. Für die Position des Präsidenten entfielen auf Prof. Rahn 79 Stimmen, damit ist Prof. Rahn zum Präsidenten wiedergewählt. Bei der Wahl zu den beiden Vizepräsidenten entfielen auf Prof. Wagner 80 Stimmen und auf Prof. Gaebel 76 Stimmen, damit sind beide als Vizepräsidenten wiedergewählt.Bei der Wahl zum Schatzmeister entfielen auf Prof. Selbmann 79 Stimmen, damit ist Herr Prof. Selbmann zum Schatzmeister gewählt. Bei der Wahl der übrigen Präsidiumsmitglieder entfielen auf Prof. Kreienberg 80 Stimmen, auf Frau Prof. Spies 80 Stimmen, auf Prof. Herrmann-Lingen 79 Stimmen, auf Prof. Treede 79 Stimmen, auf Dr. Wienke 79 Stimmen und auf Prof. Saeger 78 Stimmen. Damit sind diese sechs Mitglieder des Präsidiums gewählt. Alle Kandidaten erhielten deutlich mehr als die erforderliche absolute Mehrheit. Prof. Reinauer fragte die Anwesenden, ob sie die Wahl annehmen, was von allen bejaht wurde.

Neu aufgenommene Gesellschaften:

Dt. Ges. f. Lasermedizin, Bundesverband Dt. Krankenhausapotheker, Ges. f. Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Dt. Ges. f. Epidemiologie, Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung

ad hoc Arbeitsgruppe der AWMF soll eingerichtet werde, die Empfehlungen zur Zertifizierung in der Medizin abgeben soll. Prof. Selbmann berichtet, dass rund 25 Fachgesellschaften in der AWMF selbst Zertifikate vergeben, so dass sich bei der unmittelbaren Einbindung in eine Arbeitsgruppe möglicherweise Interessenkonflikte ergeben könnten. Zunächst einmal sollen die Angaben über die Zertifikate bei der AWMF gesammelt werden, evtl. sollte eine Veranstaltung stattfinden, wobei das Ziel der AWMF sein könnte, im Zertifizierungsbereich normierend, aber nicht selbst zertifizierend einzugreifen. Insbesondere sei die Diskussion um die Inhalte der Zertifikate zu führen, um zu verhindern, dass Gesundheitszertifikate nur als Betätigungsfeld für Zertifizierungsfirmen geschaffen werden.

Ständige Kommission Leitlinien + IMWi:
> Problem der Übertragbarkeit internationaler Leitlinien auf das deutsche Gesundheitssystem thematisiert, es dürfen keine einfachen Übersetzungen internationaler Leitlinien benutzt werden, sondern es muss eine aktive Übertragung auf das nationale Gesundheitssystem erfolgen.
> Klage von Pharmaunternehmen gegen Leitlinien-Ersteller:
Gerichte unterscheiden regelmäßig zwischen Bewertungen und Tatsachenbehauptungen, wobei Bewertungen nicht justiziabel sind, während falsche Tatsachenbehauptungen zu
einem Berichtigungsanspruch führen können. Auf die Frage, ob zukünftig bei allen Leitlinien Juristen zugezogen werden müssten, stellt Dr. Wienke klar, dass dies nicht notwendig ist, wenn eine sorgfältige Bewertung der vorhandenen Tatsachen unternommen wird und in der Formulierung der Leitlinie deutlich wird, dass es sich dabei um eine Bewertung der Leitliniengruppe handelt.
> Thema Prioritätensetzung: Die Fachgesellschaften müssen selber über ihre Prioritäten bei der Leitlinienentwicklung entscheiden, die AWMF kann in die Themenfindung der einzelnen Fächer nicht hinein regieren, allenfalls könnten Anregungen über die AWMF an die Fachgesellschaften gehen. Zum Zweiten wird die erhebliche Belastung der Fachgesellschaften durch die Arbeit an Leitlinien angesprochen, insbesondere dann, wenn parallel europäische Leitlinien entwickelt werden. Prof. Selbmann rät dazu, die „technischen" Dinge aus den europäischen Leitlinien durchaus zu übernehmen, allerdings ist die Kultur der Gesundheitssysteme sehr unterschiedlich und deshalb muss beim Vorliegen von europäischen Leitlinien sicherlich ein nationales „Tailoring" gemacht werden.

Ständige Kommission Leistungsevaluation F+L:
wichtig, dass die AWMF die methodischen Aspekte sauber aufgearbeitet hat. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass auch die Grundausstattung von universitären Institutionen für die Qualität von Forschung und Lehre maßgeblich ist und nicht nur die Zuwendungsbeträge, die sich aus der LOM ergeben. Nachdem der Medizinische Fakultätentag in der Befragung der Fakultäten durch die AWMF ein Problem gesehen hatte, ist jetzt eine gemeinsame Arbeitsgruppe von MFT und AWMF eingesetzt worden, die sich mit den Methoden der Leistungsermittlung in der Lehre gemeinsam befassen soll.
Empfehlung der Kommission, zukünftig die Autorenschaft an systematischen Reviews, Metaanalysen und Leitlinien, die in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert wurden, bei der leistungsorientierten Mittelzuteilung genau so zu werten wie die Autorenschaft an wissenschaftlichen Originalpublikationen.

Novellierung der Muster-Weiterbildungsordnung
im Herbst sollen von der BÄK alle Fachgesellschaften und die AWMF angeschrieben werden, damit sie auf einer extra eingerichteten Online-Plattform Textvorschläge für ihr Fach eintragen können, damit am Ende eine konsentierte Meinungsbildung aus Fachgesellschaften und Berufsverbänden für die Novellierung der Weiterbildungsordnung erstellt werden kann. Diese Online-Plattform ist nur für die angeschriebenen Fachgesellschaften und Berufsverbände zum Schreiben freigegeben, alle anderen Benutzer können die Textvorschläge lediglich kommentieren. Diese Zugangsmöglichkeit wird etwa vier bis sechs Monate offen bleiben, damit die Lernziele der Weiterbildung definiert und in Zukunft auch die Richtlinien für den Inhalt der Weiterbildung mit in die Muster-Weiterbildungsordnung aufgenommen werden können.

Novellierung der Approbationsordnung
Prof. Pfeilschifter als Präsidiumsmitglied des Medizinischen Fakultätentags und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt berichtet, dass die Approbationsordnung aus dem Jahre 2002 in vielen Bereichen das Medizinstudium verändert hat, insbesondere auch im Prüfungssystem, wo die für früher vorgeschriebenen vier Prüfungen auf zwei reduziert worden sind. Jetzt steht eine erneute Novellierung an, an erster Stelle, um die schriftliche Prüfung vor das praktische Jahr (PJ) zu ziehen. Zum Zweiten sei auch der konstatierte Ärztemangel ein Grund für die Novellierung: In Deutschland werden – bezogen auf die Bevölkerung – doppelt so viele Ärzte ausgebildet wie in USA oder Japan, viele Absolventen gehen jedoch nicht in den Arztberuf, weil die Arbeit dort nicht attraktiv genug sei. Zum Dritten gibt es Bestrebungen, die Allgemeinmedizin in der neuen Approbationsordnung zu stärken, und ein vierter Grund für das Bundesgesundheitsministerium sei die zunehmende Öffnung von nicht universitären Kliniken und Krankenhäusern für das praktische Jahr.
Die bisherigen Beratungen im Bundesrat seien ein Lehrstück in Sachen Föderalismus, da dort der Gesundheitsausschuss und der Kulturausschuss unterschiedliche Ansichten über die Weiterentwicklung der Approbationsordnung geäußert haben, zudem müsse noch der Finanzausschuss sich damit befassen. Insbesondere hat sich die Differenz zwischen dem Gesundheitsausschuss und dem Kulturausschuss in der Frage der Verankerung der Allgemeinmedizin im praktischen Jahr gezeigt, wo der Gesundheitsausschuss vorgeschlagen hatte, eines der Tertiale verpflichtend für die Allgemeinmedizin festzulegen, während der Kulturausschuss vorschlägt, die Anzahl der Plätze für Allgemeinmedizin zu vermehren, das Tertial aber nicht verpflichtend der Allgemeinmedizin zuzuordnen. Der jüngste Vorschlag in den Ausschüssen des Bundes-rates ging jetzt dahin, keine Tertiale im praktischen Jahr mehr zu haben, sondern Quartale, wovon wiederum eines verpflichtend in der Allgemeinmedizin durchgeführt werden müsste. Der Bundesrat wird in seiner Sitzung am 11. Mai 2012 weiter darüber beraten. In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass auch die demographische Entwicklung bei der Novellierung der Approbationsordnung berücksichtigt werden sollte. Es gehe nicht nur darum, die Attraktivität der Allgemeinmedizin zu erhöhen, sondern die Ausbildung der zukünftigen Ärzte zu verbessern, die in Hausarztpraxen ein „normales" Patientenspektrum sehen werden.
Prof. Treede schlägt vor, den Modellstudiengang Mannheim zu betrachten, bei dem ein Quartal im praktischen Jahr im Bereich „ambulante Medizin" absolviert werden muss. Man sollte die Ergebnisse dieses Modellstudiengangs abwarten, ehe flächendeckend Quartale eingeführt werden.
Prof. Pfeilschifter betont zum Schluss, dass es sinnvoll sei, auch die lokalen Bezüge von Studierenden (z. B. mit ländlicher Sozialisation) zu fördern, um die angestrebte Versorgung in den nicht städtischen Bereichen zu verbessern.

Arzneimittelkommission der Dt. Ärzteschaft
Die Kommission ist außerhalb der Arzneimitteltherapie nur dann mit anderen Therapieformen befasst, wenn diese direkt mit der medikamentösen Therapie konkurrieren. Im Bereich der Studienregistrierung gebe es im Augenblick zu viele Register, so dass immer noch nicht zentral und einheitlich überblickt werden könne, ob Ergebnisse angemeldeter Studien publiziert wurden.
Der Bereich der „unkonventionellen" Arzneitherapie werde durch die Kassen, die aus Werbegründen die Kosten solcher Verfahren erstatten, weiterhin alimentiert.
Bei der Spontanerfassung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) seien noch zu wenige Meldungen zu registrieren, daher wäre es nützlich, in Kooperation mit BfArM und PEI ein Register für solche Meldungen einzurichten.

Stellungnahmeverfahren bei G-BA-Entscheidungen:
In der Vergangenheit ist manchmal der Eindruck erweckt worden, als ob die Stellungnahmen der Fachgesellschaften nicht wirklich gewünscht seien, andererseits muss die Sachkenntnis der Fachgesellschaften für die Entscheidungen des G-BA unbedingt berücksichtigt werden. Probleme ergeben sich regelmäßig durch die sehr kurzen Fristen für die Abgabe von Stellungnahmen, beispielsweise ist bei Stellungnahmen zu der frühzeitigen Nutzenbewertung von Arzneimitteln eine Frist von lediglich drei Wochen vorgesehen. Diese ist jedoch nicht gesetzlich festgelegt, sondern geht aus der Verfahrensordnung des G-BA hervor. Möglicherweise könnte hier für die Fachgesellschaften etwas mehr Zeit eingeräumt werden.
Das erste Verfahren zur „frühen Nutzenbewertung" nach dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) ist in der Bewertung durch den G-BA ist, nachdem das IQWIG einen entsprechenden Bericht vorgelegt hat. Der G-BA ist z.Z. auch in Diskussion mit der Dt. Krankenhausgesellschaft über die Bewertung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsverfahren (NUB), außerdem soll eine patientenbezogene Qualitätssicherung eingeführt werden im ambulanten und stationären Sektor mit Einbeziehung vor- und nachstationärer Behandlung. Das erste Thema für diesen Versuch ist noch offen, es sollen die von AQUA entwickelten Qualitätsindikatoren benutzt werden. Nach dem Versorgungsstrukturgesetz ist vorgesehen, für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden eine Methodenüberprüfung unter Studienbedingungen einzuführen. Die Finanzierung dieser Vorhaben ist noch offen, wobei ein Anreizsystem für Krankenhäuser geschaffen werden müsste, die eine derartige Erprobung unter Studienbedingungen machen. Die Disease-Management-Programme werden in Zukunft nicht mehr nur als Empfehlungen herausgegeben, sondern gelten als Richtlinien des G-BA.
Zukünftig sollen die Fachgesellschaften in verstärktem Umfang in die Beratungen des Gemeinsamen Bundesausschusses einbezogen werden, wenn ab 1. Januar 2012 das Versorgungsstrukturgesetz in Kraft tritt, in dem das Recht der Fachgesellschaften zur Beteiligung verankert ist. Der G-BA wird diese Beteiligung der Fachgesellschaften über die AWMF organisieren.

Anforderungen an die Hygiene im Krankenhaus
Für das Erreichen einer guten Hygiene an den Krankenhäusern sind hauptamtliche
Krankenhaushygieniker notwendig und nicht nur hygienebeauftragte Ärzte. In den Niederlanden werden diese Ärzte in fünf Jahren weitergebildet und absolvieren abschließend eine Art Facharztprüfung vor einer Kommission. In den Niederlanden sind ausreichend Assistentenstellen geschaffen worden, um diese Krankenhaushygiene-Ärzte weiterbilden zu können, alleine die Klinik in Groningen hat neun
Assistentenstellen.

German Medical Science:
7 im open access verfügbare pubmed Journale im GMedSci. Nutzungsstatistik unverändert stabil, aber auch keine Verbesserung. Weitere Bewerbung notwendig.

Website:
Herr Müller demonstriert online an der Website den neu eingerichteten Menüpunkt Stellungnahmeverfahren im Hauptpunkt Service, wo die Informationen der Institutionen Gemeinsamer Bundesausschuss, IQWiG und AQUA als direkte Links eingerichtet sind, so dass die Fachgesellschaften einen unmittelbaren Zugriff auf die Informationen dieser Institutionen haben. Darüber hinaus berichtet Herr Müller, dass geplant ist, im Leitlinienpublikationssystem der AWMF eine einheitliche Suche für bereits existierende und angemeldete Leitlinien einzurichten, so dass Benutzer nicht mit zwei Suchinstrumenten nach Themen suchen müssen.
Es gibt derzeit etwa 700 aktuelle LL, der Anteil von S3 und S2 LL steigt stetig. Nationale Versorgungsleitlinien (http://versorgungsleitlinien.de ), und onkolgische Leitlinien http://www.leitlininienprogramm-onkologie.de .
Ganz frisch die Publikation der Empfehlungen zur extracraniellen Carotisstenose.
Die abgelaufenen LL der DGP zur Sklerotherapie, der DPPG/LRR, Venenverschlussplethysmographie und Phlebodynamometrie werden demnächst veröffentlicht: http://www.awmf.org/fachgesellschaften/mitgliedsgesellschaften/visitenkarte/fg/deutsche-gesellschaft-fuer-phlebologie-dgp.html

Georg Gallenkemper
AWMF Beauftragter der DGP
Krefeld, den 18.09.2012