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AWMF-Leitlinien-Register Nr. 037/014 Entwicklungsstufe: 1 nicht aktualisiert

Leitlinien sind systematisch erarbeitete Empfehlungen, um Kliniker und Praktiker bei Entscheidungen zur Versorgung ihrer Patienten im Rahmen spezifischer Umstände zu unterstützen. Leitlinien gelten für "Standardsituationen" und berücksichtigen die aktuellen, zu den entsprechenden Fragestellungen zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Leitlinien bedürfen der ständigen Überprüfung und eventuell der Änderung auf dem Boden des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes und der Praktikabilität in der täglichen Praxis. Leitlinien entbinden den Arzt nicht von seiner Sorgfaltspflicht und der Beachtung der individuell angepassten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen. Leitlinien erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Definition:

Die Venenverschlußplethysmographie mittels Dehnungsmeßstreifen ist eine nichtinvasive Methode zur indirekten Messung von Volumenänderungen im Extremitätenbereich. Mit Hilfe von proximal angelegten Staumanschetten können Ruhedurchblutung, reaktive Hyperämie, venöse Kapazität, venöser Ausstrom (sog. Venendrainage) und Kapillarfiltration gemessen werden. Ohne Staumanschette kann unter Belastung die venöse Pumpleistung sowie die venöse Auffüllzeit bestimmt werden(1,2,5,6,7).

Im vorliegenden Papier wird nur die Venenverschlußplethysmographie in der Diagnostik venöser Abflußstörungen besprochen.

2. Indikationen:

Verdacht auf venöse Abflußstörungen.
Therapiekontrolle bei venösen Abflußstörungen.

3. Kontraindikationen:

Phlegmasia coerulea dolens.

4. Durchführung:

Die Untersuchung erfolgt nach einem standardisierten Ablauf. Folgendes muß beachtet werden (4,5,6):

5. Dokumentation

Kontinuierliche graphische Dokumentation des direkt registrierten Plethysmogramms mittels Schreiber oder einem anderen Speichermedium(4).

Abweichungen von den für den Untersucher geltenden standardisierten Untersuchungsbedingungen sollten auf der Kurve angegeben werden.

6. Parameter:

Die Parameter für die Beurteilung des Venensystems sind die venöse Kapazität (aufstaubares Venenvolumen) und der venöse Ausstrom (maximaler passiver venöser Ausstrom pro Zeiteinheit). Zusätzlich erfolgt die Messung der arteriellen Ruhedurchblutung, weil von ihrem Wert die maximal erreichbare venöse Kapazität abhängt(1,3,4,5,6). Im Muskelpumpentest, auf den hier nicht näher eingegangen wird, kann zusätzlich die Funktion der Venenklappen beurteilt werden.

7. Fehlermöglichkeiten:

Wegen zahlreicher Fehlermöglichkeiten bei der Durchführung muß das Verfahren nach streng standardisierten Gesichtspunkten durchgeführt werden. Jedes Zentrum sollte hierbei für seine individuellen Meßbedingungen eigene Normwerte erstellen. Die wichtigsten Fehlermöglichkeiten sind (3,4,5,6,7):

8. Aussagefähigkeit:

Die quantitative Beurteilung einer subfascialen venösen Abflußstörung proximal der Unterschenkelvenen ist gut reproduzierbar möglich. Das Verfahren kann auch zur Therapiekontrolle eingesetzt werden. Die Normalwerte für die venöse Kapazität liegen bei 2,5 - 5 ml/ 100ml Gewebe und für den venösen Ausstrom bei 35 - 100 ml/ 100 ml Gewebe. Dabei besteht eine relative Abhängigkeit der Höhe des venösen Ausstroms von der Höhe der venösen Kapazität. Bei proximalen Beinvenenthrombosen sind die Werte für die venöse Kapazität und den venösen Ausstrom erniedrigt. Beim postthrombotischen Syndrom kann die venöse Kapazität erniedrigt bis erhöht sein bei dennoch erniedrigtem passivem Ausstrom. Bei der ausgeprägten Varikose sind die Werte für die venöse Kapazität und den venösen Ausstrom erhöht (1,2,3,5,6,7).


9. Literatur


10. Verfahren zur Konsensbildung:

Diese Leitlinien wurden im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP), e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, ohne finanzielle Unterstützung Dritter von einer Expertengruppe ausgearbeitet und vom Vorstand und dem Wissenschaftlichen Beirat der DGP nach ausführlicher Diskussion am 5.12.1998 mehrheitlich verabschiedet. Diese Leitlinien berücksichtigen den aktuellen Stand der Literatur, jedoch nicht die in jedem Land unterschiedlichen Zulassungsbestimmungen für verschiedene Pharmaka und Medizinprodukte (1998).

Erarbeitet von: H. Gerlach, H. Partsch, E. Rabe, G. Gallenkemper, M. Jünger

Zuletzt aktualisiert: Dezember 1998

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