Verödung und Schaum-Sklerotherapie– was ist das?

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Flüssig- Verödung und ultraschallkontrollierte Schaum- Sklerotherapie sind Methoden zur Behandlung von Krampfadern ( Varizen). Ihr Wirkprinzip besteht darin, dass sie die Venenwände chemisch reizen und das krankhaft erweiterte Blutgefäß so verschließen. Sowohl bei der Flüssig- Verödung ( Sklerosierung) als auch bei der Sklerosierung durch die ultraschallkontrollierte Schaum- Sklerotherapie übernimmt der Körper selbst diesen Prozess – angestoßen durch flüssiges oder schaumförmiges Arzneimittel, das in die Vene verabreicht wird.

Die Verödung mit flüssigen Sklerosierungsmitteln, die bereits vor rund 150 Jahren ihren Anfang nahm, hat die Behandlungsmöglichkeiten bei Krampfadern entscheidend erweitert. Mittlerweile wird sie vor allem eingesetzt, um Besenreiser und sehr kleine Varizen zu entfernen. Das liegt daran, dass die Schaum- Sklerosierung ihr seit Anfang des 21. Jahrhunderts zunehmend den Rang abgelaufen hat. Mittlerweile ist diese schonende und effektive Methode aus der modernen Varikose-Therapie nicht mehr wegzudenken.

Keine Betäubung notwendig, ambulant durchführbar, schmerzarm – im Vergleich zum operativen Venenstripping oder den venenerhaltenden OPs besitzen Verödung und Schaum- Sklerotherapie einige Pluspunkte. Sie haben aber auch Nachteile, eignen sich nicht für jeden Betroffenen gleichermaßen und konkurrieren zum Teil zudem mit thermischen Behandlungsverfahren wie endovaskulär thermischen Verfahren oder dem Venenkleber (der seine Sicherheit und langfristige Erfolgsrate noch beweisen muss). Mit welcher Methode die Varikose behandelt wird, ist deshalb eine individuelle Entscheidung, die Arzt und Patient gemeinsam fällen sollten. Form und Ausprägung des Krampfaderleidens sollten hier ebenso berücksichtigt werden wie die Wünsche des Betroffenen.

Wie funktionieren Flüssig-Verödung und Schaum-Sklerotherapie?

  • Die Sklerotherapie beruht auf der planvollen intravenösen Einbringung eines Verödungsmittels (in Deutschland der Wirkstoff Polidocanol). Das bewirkt eine gezielte Auflösung der Venenwand und folglich der gesamten Krampfader, die infolgedessen in einen bindegewebigen Strang umgewandelt wird.

  • Um auch große Krampfadern verschließen zu können, wird das flüssige Verödungsmittel bei der Schaum- Sklerosierung in einem definierten Mischungs-Verhältnis mit Luft aufgeschäumt.
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Der Arzt spritzt das aufgeschäumte Verödungsmittel unter Ultraschallsicht in die defekte Vene und kann damit auch direkt die Wirkung kontrollieren.
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Nach der Verödung wird ein Kompressionsverband oder Kompressionsstrumpf um das Bein gelegt.
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Seit 1966 ist in Deutschland Polidocanol als Verödungsmittel zugelassen. Der Wirkstoff reizt die Venenwand und führt dort zu einer Entzündungsreaktion. In deren Folge verkleben die Gefäßwände, so dass sich die Krampfader verschließt. Anschließend baut der Körper die Vene dann in Bindegewebe um.

Damit sein Effekt auf die zu behandelnde Vene begrenzt bleibt, darf das Verödungsmittel nur sehr kurz wirken. Das ist sehr wichtig, denn sonst könnte es mit dem Blutstrom auch in andere Gefäße gelangen und sie verschließen. Das wird verhindert, da der Wirkstoff bei Kontakt mit dem Blut inaktiviert wird. Kehrseite der Medaille ist, dass die Verödung mit flüssigem Polidocanol deshalb nur bis zu einer gewissen Krampfadergröße gut funktioniert.

Dieses Limit gibt es bei der Schaum- Sklerotherapie nicht – oder zumindest nicht in dem Maße. Bei dieser Methode wird das Verödungs-Medikament mit Luft vermischt, so dass ein feinblasiger Schaum entsteht, der das Blut in der Vene verdrängt. Zum einen vergrößert das die Kontaktfläche mit der Venenwand. Zum anderen dauert es länger, bis das Mittel sich mit dem Blut vermischt und deaktiviert wird. Deshalb lassen sich mittels ultraschall kontrollierter Schaum- Sklerosierung auch größere Venen bis hin zu den Stammvenen veröden. Allerdings können für die Therapie von sehr großen Venen mehr als eine Sitzung notwendig sein.

Info

In den Wänden der Krampfader eine Entzündung auszulösen und sie so miteinander zu verkleben – diese Idee steckt auch hinter der Kochsalz- Verödung. Wie der Name sagt wird dazu konzentrierte, sterile Kochsalzlösung mit einer Spritze in die Vene injiziert. Die Methode wird als besonders sanft propagiert, nicht zuletzt von Heiltherapeuten, die keine Medikamente spritzen dürfen und keinen Ultraschall zur Kontrolle verwenden dürfen. Tatsächlich ist die Verödung mit Kochsalz nicht ohne Risiken, kaum wissenschaftlich untersucht und wird dementsprechend in den Behandlungsleitlinien auch nicht empfohlen. Patienten, die diese Behandlung trotzdem in Erwägung ziehen, sollten sich vorab ausführlich beraten lassen – am besten von einem Phlebologen in ihrer Nähe.

Wann werden Verödung und Schaum-Sklerotherapie eingesetzt?

  • Verödung und Schaum- Sklerotherapie eignen sich für alle Krampfaderformen.

  • Die Flüssigverödung wird vor allem bei Besenreisern und kleinen Krampfadern eingesetzt. Bei Varizen an den großen Venen ist die ultraschallkontrollierte Schaum- Sklerosierung effektiver.

  • Wichtige Pluspunkte der Verfahren gegenüber den operativen Therapien sind die geringen Nebenwirkungen und die kürzere Erholungszeit.

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Die Verödung mit flüssigem Polidocanol kann prinzipiell bei allen Krampfaderformen verwendet werden. Phlebologen setzen sie aber vor allem bei Besenreisern und kleinen Varizen ein. Das liegt daran, dass sich größere Venen per Schaum- Sklerotherapie deutlich effektiver veröden lassen. Mit dieser Methode dürfen mittlerweile alle Formen von Krampfadern behandelt werden – auch die Stammvenen. Dazu wird sie manchmal mit anderen Behandlungsverfahren wie Laser- und Radiofrequenz-Therapie oder dem chirurgischen Venenstripping kombiniert. Im Vergleich zum Stripping und den venenerhaltenden OPs haben Verödung und Schaum- Sklerosierung einige Vorteile. Die wichtigsten sind:

  • Für die Therapie ist keine Betäubung nötig. Belastende und mit gewissen Risiken behaftete Voll- oder Teilnarkosen fallen weg.
  • Wegen des sehr geringen Blutverlusts dürfen auch Patienten behandelt werden, die gerinnungshemmende Medikamente bekommen. Auch andere Arzneimittel können in der Regel weiter eingenommen werden.
  • Da nicht geschnitten wird, hinterlässt die Behandlung keine Narben. Zudem ist die Gefahr von Nachblutungen oder Wundinfektionen geringer als bei den chirurgischen Therapien.
  • Nach Verödung mit flüssigen oder geschäumten Verödungsmitteln haben die Patienten keine oder nur wenig Schmerzen. Auch andere Nebenwirkungen wie Blutergüsse, Nervenschäden oder Lymphgefäßschädigungen kommen seltener vor als nach einer Krampfader-OP oder den endovaskulären Verfahren.
  • Die Patienten können in der Regel direkt wieder in ihren normalen Alltag
  • Die Schaum- Sklerotherapie kann jederzeit wiederholt und auch bei bereits therapierten Krampfadern angewandt werden. Bei anderen Behandlungsverfahren ist das nicht möglich oder zumindest schwierig.
  • Die Schaumsklerotherapie ist die einzige Methode, mit der alle Krampfaderformen behandelt werden können. Bei anderen Methoden ist das nicht möglich oder zumindest schwierig.

Demgegenüber stehen allerdings auch gewisse Nachteile. Etwa, dass verödete Stammvenen wieder aufgehen können und dann erneut behandelt werden müssen. Bei der Stripping- Operation kann das nicht passieren, da der Chirurg die Krampfader hier entfernt, dabei können aber wie bei allen Verfahren durch die meist vorhandene Venenschwäche neue Krampfadern entstehen .

Info

Die ultraschallgesteuerte Schaum- Sklerotherapie gehört in der Regel nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen und muss deshalb selbst bezahlt werden. Allerdings tragen einige Krankenkassen die Kosten im Rahmen sogenannter integrierter Behandlungsverträge. Ob diese Möglichkeit bei ihnen besteht, erfahren die Patienten bei ihrer Kasse oder beim behandelnden Arzt.

Wie läuft die Behandlung ab?

  • Alle Verfahren können ambulant und ohne Betäubung durchgeführt werden.

  • Bei der Schaum- Sklerotherapie wird das Verödungsmittel entweder per Spritze oder mit einem speziellen Instrument – dem Katheter – in die Krampfader gegeben.

  • Die Schaum- Sklerosierung erfolgt unter Ultraschall-Kontrolle. Damit kann der Arzt die Behandlung exakt steuern.

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Flüssig- Sklerosierung und Schaum- Sklerotherapie werden im Normalfall ambulant beim niedergelassenen Phlebologen durchgeführt. Da keines der Verfahren eine Narkose erfordert, kann der Patient am Tag der Behandlung normal essen und trinken. Es wird bei der Schaum- Sklerotherapie zuerst der entsprechende Hautbereich desinfiziert und das Verödungsmittel mit einem Spritzensystem aufgeschäumt. Am liegenden Patienten stellt der Phlebologe die zu behandelnde Krampfader per Ultraschalluntersuchung dar. Dann durchsticht er Haut und Venenwand mit der Kanüle und spritzt den Schaum in die Vene – alles unter Ultraschall-Kontrolle. Auf den Sonographie-Bildern sind Vene, Kanüle und Schaum gut sichtbar, so dass der Arzt genau beobachten und steuern kann, wie sich das Verödungsmittel verteilt.

Dieser Vorgang wird entlang der Krampfader wiederholt, bis die gesamte gewünschte Strecke verödet ist. Alternativ kann für die Schaum- Sklerosierung auch ein Katheter verwendet werden. Dabei handelt es sich um ein dünnes, flexibles Instrument, das der Phlebologe vom unteren Teil der betroffen Krampfader her in die Vene in Richtung des oberen Beines einführt. Beim Zurückziehen verabreicht er den Schaum dann in kleinen Portionen in die Krampfader.

Zum Abschluss der Krampfader-Behandlung mit flüssigem Verödungsmittel oder Schaum werden die Einstichstellen versorgt. Bevor der Patient wieder nach Hause kann, bekommt er noch einen Kompressionsverband oder einen Kompressionsstrumpf angelegt.

Wie geht es nach der Behandlung weiter und welche Nebenwirkungen können auftreten?

  • Nach der Behandlung können und sollten die Patienten sich sofort bewegen.

  • Nebenwirkungen wie Blutergüsse und Verhärtungen im verödeten Bereich kommen zwar vor, klingen in der Regel aber von selbst wieder ab.

  • Da immer nur eine begrenzte Menge Verödungsmittel gegeben werden darf, können bei Patienten mit ausgeprägtem Krampfaderleiden zwei oder mehr Behandlungssitzungen notwendig sein.

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Nach der Schaum- Sklerosierung sollten die Patienten spazieren gehen. Das aktiviert den Blutfluss im Venensystem und beugt einer Thrombose vor. Eine Kompressionstherapie verbessert den Erfolg der Verödung und sollte deshalb so lange durchgeführt werden, wie der Arzt vorgibt. Er weiß auch, wann sein Patient wieder intensiven sportlichen Aktivitäten nachgehen darf. Nicht allzu anstrengende Sportarten wie Walken, moderates Schwimmen und Radfahren sind in der Regel sofort möglich.

Die Sklerosierungs-Therapie gilt als sicheres, nebenwirkungsarmes Verfahren. Trotzdem kann es zu unerwünschten Begleiterscheinungen kommen. Dazu gehören:

  • Kleinere Blutergüsse, selten Infektionen und Wundheilungsstörungen an den Einstichstellen
  • Verhärtungen, selten Venenentzündungen
  • Sehr seltene allergische Reaktionen auf Verödungsmittel, Verbandmaterial oder Pflaster
  • Vorrübergehende Sehstörungen bei der Schaumsklerosierung , die in der Regel nach 20 bis 30 Minuten wieder folgenlos abklingen, sind äußert selten.
  • Migräneanfälle können bei Personen, die ohnehin an Migräne leiden manchmal bei der Schaumsklerotherapie vorkommen.

Nach der Schaum- Sklerosierung von großen Venen könnte es wie bei allen anderen Krampfadertherapien zu einer tiefen Beinvenen- Thrombose kommen. Um diese seltene Komplikation zu verhindern, verordnet der Arzt gegebenenfalls in Risikosituationen Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes verringern.

Was manchmal vorkommt ist, dass sich die Haut über der verödeten Vene bräunlich verfärbt. Grund dafür sind Ablagerungen eines Gemisches aus Verödungsmittel und Blut, die mitunter vom Arzt punktiert und ausgedrückt werden müssen. Oft verschwinden diese Hautverfärbungen nach einigen Wochen aber von alleine wieder. Bis es soweit ist, sollten die Patienten auf ausgiebige Sonnenbäder verzichten.

In jeder Behandlungssitzung darf nur eine begrenzte Menge des Verödungsmittels verwendet werden. Deshalb kann es bei sehr großflächigen Besenreisern und ausgeprägten  Krampfadern nötig sein, die Flüssig- Verödung beziehungsweise die Schaum- Sklerotherapie auf zwei oder mehr Termine zu verteilen.

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