Was ist eine Phlebografie und wann wird sie eingesetzt?

  • Eine Phlebografie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Venen mit Hilfe von Röntgenstrahlen und einem Röntgenkontrastmittel darstellt.

  • Die Phlebografie, die lange das Standardverfahren in der Diagnostik von Venenerkrankungen war, wurde mittlerweile in vielen Bereichen von den Ultraschalluntersuchungen ersetzt.

  • Nach wie vor eingesetzt wird die Methode bei speziellen Fragestellungen, die sich mit anderen Diagnoseverfahren nicht eindeutig klären lassen.

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Bei der Phlebografie handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung, mit der die Blutgefäße des Venensystems beurteilt werden können. Um die Venen im Röntgen sichtbar zu machen, verabreicht der Arzt dem Patienten für die Untersuchung ein Kontrastmittel. Es sorgt dafür, dass die Gefäße sich auf den Röntgenaufnahmen weißlich abzeichnen.

Der Verlauf der Venen, ihr Durchmesser, eventuell vorliegende Verengungen oder Verschlüsse durch ein Blutgerinnsel ( Thrombose) – all das lässt sich mit einer Phlebografie darstellen. Und zwar sowohl an den Bauch-, Becken- und Armvenen, als auch am Beinvenensystem, das mit Abstand am häufigsten von phlebologischen Erkrankungen betroffen ist. Deshalb war die bereits Ende der 1930er Jahre eingeführte Methode in der Venenheilkunde jahrzehntelang ein unabdingbares diagnostisches Verfahren.

Nachteil Strahlenbelastung

Das ist mittlerweile anders geworden. Zur Diagnostik der Beinvenen haben Ultraschalluntersuchungen wie die farbkodierte Duplex-Sonografie die Phlebografie heute nahezu vollständig ersetzt. Ein Grund dafür ist, dass die Ultraschall-Technik im Gegensatz zum „Venenröntgen“ nicht mit einer Strahlenbelastung einher geht, schmerzfrei ist und auch sonst keine gesundheitlichen Risiken für den Patienten birgt. Ein weiterer Pluspunkt: Während die Phlebografie nur statische Bilder der Gefäße liefert, kann der Phlebologe mit der Duplex-Sonografie auch die Geschwindigkeit und die Richtung des Blutflusses in den Venen erkennen.

Trotzdem wird die Kontrastmitteldarstellung der Beinvenen immer noch eingesetzt, wenn auch insgesamt sehr selten und nur bei speziellen Fragestellungen – etwa zur Diagnostik einer tiefen Venenthrombose bei nicht eindeutigem Befund im Ultraschall oder in der Planung von komplexen venenchirurgischen Operationen. Zur Untersuchung der Becken- und Bauchvenen gibt es mit der CT- beziehungsweise der MR-Angiografie mittlerweile ebenfalls moderne Alternativen zur Phlebografie, die aussagekräftiger, für den Patienten weniger belastend oder beides sind.

Wie läuft eine (Bein-)Phlebografie ab?

  • Nachdem der Patient ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt bekommen hat, werden aus verschiedene Richtungen Röntgenbilder des Beins aufgenommen.

  • Vor der Phlebografie darf der Patient vier Stunden nichts essen oder trinken, danach sollte er mindesten eine halbe Stunde gehen und reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen.

  • Die Untersuchung dauert fünf bis zehn Minuten und wird von den meisten Patienten gut vertragen, sollte aber bei Störungen der Nieren- und Schilddrüsenfunktion nicht durchgeführt werden.

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Wenn vom Arzt nicht anders angekündigt, sollten die Patienten in den letzten vier Stunden vor der Untersuchung nicht mehr essen oder trinken. Weitere Vorbereitungen sind ihrerseits nicht nötig. Bei einer Phlebografie der Beinvenen legt der Arzt zunächst eine dünne Kanüle in eine oberflächliche Vene am Fußrücken und fixiert sie dort mit Pflaster. Über diesen venösen Zugang wird dann das Röntgenkontrastmittel gespritzt. Damit es ins tiefe Venensystem abfließt, bekommt der Patient zuvor oberhalb des Fußknöchels eine Stauungs-Manschette oder-binde angelegt. Im Anschluss werden Röntgenbilder aus verschiedenen Richtungen angefertigt, zunächst von den Venen im Unterschenkel- und im Kniebereich, dann von den Oberschenkelvenen. Zudem kann die Verteilung des Kontrastmittels mit dem Blutstrom per Röntgendurchleuchtung auf dem Bildschirm beobachtet werden. Eine Thrombose beispielsweise ist auf den Röntgenaufnahmen als scharf begrenzter dunkler Bereich in der sich ansonsten weiß abzeichnenden betroffenen Vene zu sehen. Mediziner sprechen von einem Füllungsdefekt.

Trinken und bewegen fördert Kontrastmittel-Ausscheidung

Die Untersuchung dauert im Normalfall zwischen fünf und zehn Minuten. Danach sollten der Patient mindestens eine halbe Stunde gehen oder die Beine anderweitig bewegen und möglichst viel trinken, am besten Tee oder Wasser. Beides sorgt dafür, dass das Kontrastmittels schnell aus den Beinvenen abtransportiert und über die Nieren ausgeschieden wird. Bewegung beugt zudem der Entstehung einer Thrombose vor. Abgesehen davon, dass ein anderes Körperteil unter die Lupe genommen wird, läuft eine Phlebografie der Armvenen analog ab.

An der Punktionsstelle bildet sich manchmal ein kleiner Bluterguss, der in der Regel harmlos ist und von selbst wieder abklingt. Schwerere Folgeerscheinungen wie Infektionen, Venenentzündungen oder tiefe Venenthrombosen treten nur ganz selten auf. Wenn das Kontrastmittel in die Vene gespritzt wird, spüren manche Patienten ein Wärmegefühl, das aber nach der Injektion meist schnell wieder abklingt. Auch Übelkeit, Juckreiz oder Hautausschlag können als Begleiterscheinung vorkommen.

Schwere allergische Reaktionen auf Kontrastmittel beziehungsweise auf das darin oft enthaltene Jod sind zwar sehr selten, können zu Atemnot und im schlimmsten Fall sogar zu Kreislauf-Schock und Herzstillstand führen. Bei Personen mit so einer Allergie verbietet sich deshalb eine Phlebographie.

Info

Menschen, die an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, sollten das dem Röntgen-Arzt vor der Phlebografie sagen, denn das im Kontrastmittel enthaltene Jod kann die Erkrankung verschlimmern. Vorsicht ist auch bei Erkrankungen der Nieren geboten, da die meisten Kontrastmittel über dieses Organ ausgeschieden werden. Um zu verhindern, dass sich das Kontrastmittel dort sammelt und Schaden anrichten kann, wird vor einer Phlebografie in der Regel die Nierenfunktion mittels Blutuntersuchung kontrolliert.

CT- und MR-Angiografie – moderne Alternativen

  • CT- und MR-Angiografie sind Bildgebungsverfahren, mit denen Phlebologen vor allem tief liegende Oberschenkelvenen und Beckenvenen begutachten.

  • Beide Verfahren liefern viele schmale Schnittbilder der untersuchten Region, die der Computer dann zu anderen Darstellungen der Venen verrechnet.

  • Das zur CT-Angiografie eingesetzte Computertomografie-Gerät arbeitet mit potenziell gesundheitsschädlichen Röntgenstrahlen, die MR-Angiografie hingegen ist nicht mit einer Strahlenbelastung des Patienten verbunden.

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Um die Beckenvenen oder bei Patienten mit sehr kräftigen Oberschenkeln die tiefen Beinvenen beurteilen zu können, reichen die Ultraschalluntersuchungen manchmal nicht tief genug. Solche Fälle waren lange eine Domäne der Phlebografie, doch inzwischen gibt es mit der CT- und der MR-Angiografie auch hier moderne Alternativen.

Das Kürzel CT steht für Computertomografie, ein bildgebendes Diagnoseverfahren, das ebenfalls mit Röntgenstrahlen arbeitet. Um das Venensystem gut sichtbar zu machen, muss deshalb auch für die CT-Angiografie ein Kontrastmittel gespritzt werden. Bei der Untersuchung transportiert eine bewegliche Liege den Patienten langsam durch das CT-Gerät. Um ihn kreist währenddessen eine Röntgenröhre und der dazugehörige Detektor, die zahlreiche schmale Schnittbilder der untersuchten Region anfertigen. Diese Slices können entweder einzeln betrachtet oder vom Computer in andere als Rekonstruktionen bezeichnete „Perspektiven“ umgewandelt werden – etwa in die Darstellung einer Vene im Verlauf. Für die CT-Angiografie, die nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, gelten die gleichen Regeln wie bei einer Phlebografie: vorab vier Stunden nichts essen oder trinken, Vorsicht bei Schilddrüsenerkrankungen und Störungen der Nierenfunktion, anschließend reichlich trinken und sich bewegen.

Ähnliche Bilder, aber ohne Strahlenbelastung

Die Magnetresonanz- oder kurz MR-Angiografie läuft ähnlich ab wie die CT-Angiografie, liefert vergleichbare Bilder und erfordert ebenfalls die Gabe eines Kontrastmittels, das allerdings kein Jod enthält und deshalb für Patienten mit Störungen der Schilddrüsenfunktion unbedenklich ist. Um Bilder aus dem Körperinneren zu erzeugen, verwendet diese Technik aber an Stelle von Röntgenstrahlen extrem starke Magnetfelder und ein als Kernspinresonanz bezeichnetes physikalisches Phänomen. Das heißt, die MR-Angiografie belastet den Patienten nicht mit potenziell gesundheitsgefährdender Strahlung.

Beide Verfahren liefern präzise, aussagekräftige Bilder, auf denen der Arzt das Venensystem auch in Beziehung zu den umliegenden Organen und Geweben sehen kann. Das Gros der Venenerkrankungen betrifft allerdings die Beinvenen, die sich mit modernen Ultraschalluntersuchungen wie der farbkodierten Duplex-Sonografie ähnlich gut beurteilen lassen – und das kostengünstiger und ohne jedwede Risiken für die Patienten. Deshalb werden MR- und CT-Angiographie von Phlebologen nur selten eingesetzt.

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