Kleidung und Schuhe

Wenn Sie unter einer Venenerkrankung leiden, sollten Sie auf die richtige Bekleidung achten. Tragen Sie möglichst keine Kleidungsstücke, die im Beckenbereich und in der Leistenregion einschnüren – wie enge Unterhosen, Mieder oder Shorts. Denn dadurch kann der Rückstrom des Bluts aus dem Beinvenensystem zum Herz und der Abtransport der Lymphflüssigkeit behindert werden. Sehr eng anliegende lange Hosen können den Blut- und Lymphfluss ebenfalls beeinträchtigen und Ihrer Beschwerden so verschlimmern. Aus dem gleichen Grund ist es wichtig, dass Socken und Strümpfe gut passen, flächig auf der Haut liegen, keine Falten oder Furchen bilden und kein zu enges Bündchen haben. An heißen Tagen empfiehlt sich lockere, luftige Kleidung, unter der sich die Hitze nicht staut. Das gilt umso mehr, wenn Sie eine Kompressionstherapie benötigen.

Auch bei der Wahl des Schuhwerks können Sie Ihren Venen viel Gutes tun. Flache Schuhe aus weichen Materialien, eine elastische Sohle und genügend Spielraum für die Zehen lautet hier der konkrete Rat von Experten. Denn damit können Sie beim Gehen gut abrollen und ihre Zehen bewegen. Beides aktiviert die für die Funktion des Venensystems zentrale Muskel-Gelenkpumpe, die das Blut nach oben Richtung Herz transportiert. Hohe Absätze sind zweifellos schick, machen es aber schwer, die Füße abzurollen und die Knöchel zu bewegen. Auf High Heels ganz verzichten müssen Sie als Frau deshalb aber nicht. Beschränken Sie sich mit hochhackigen Schuhen einfach auf besondere Anlässe. Zum Ausgleich können Sie etwas für ihre Venengesundheit tun und anschließend ein Weilchen barfuß laufen.

Körpergewicht und Ernährung

Übergewicht kann das Fortschreiten von bestimmter Venenerkrankungen begünstigen und die Beschwerden verschlimmern. Die überschüssigen Pfunde erschweren den Rücktransport des Bluts zum Herzen und belasten so insbesondere das Venensystem der Beine. Hinzu kommt, dass übergewichtige Menschen sich im Alltag oft wenig bewegen und kaum Sport treiben. Damit kommen zwei Faktoren zu kurz, die viel zur Venengesundheit beitragen.

Das macht es für Sie als Venenpatient besonders wichtig, auf Ihr Gewicht zu achten und Übergewicht - sofern vorhanden – soweit es geht zu reduzieren. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, öfter Fisch auf dem Tisch und nur eher geringen Mengen Fleisch, sowie wenig Fett und Süßem hilft Ihnen dabei. Ballaststoffreich zu essen, wirkt zudem einer Verstopfung entgegen. Die ist deshalb ungünstig, weil starkes Pressen auf der Toilette den Druck im Bauchraum – und damit auch in den Beinvenen – erhöht. Ausreichend zu trinken hält nicht nur den Stuhlgang weich sondern auch das Blut flüssig und senkt so das Risiko für eine Venenthrombose . Ernährungsexperten empfehlen Erwachsenen eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern pro Tag – am besten in Form von Wasser und ungesüßtem Tee.

Sitzen und Stehen – möglichst wenig und wenn dann richtig und mit Bewegung

Beim Sitzen und Stehen muss das venöse Blut entgegen der Schwerkraft zum Herzen in Richtung Herz transportiert werden. Das allein bedeutet schon Schwerstarbeit für das Venensystem der Beine. Hinzu kommt noch, dass die Muskelpumpe, die maßgeblich zum Abstrom des Bluts beiträgt, dann nicht aktiv ist. „Lieber liegen und laufen statt sitzen und gehen“, lautet deshalb eine goldene Regel von Venenspezialisten, die allerdings in der heutigen Arbeitswelt nicht so einfach umzusetzen ist. Ob Pilot oder Büroangestellter, Fernfahrer oder OP-Pfleger – zahlreiche Berufe bringen es zwangsläufig mit sich, tagtäglich über einen langen Zeitraum zu stehen oder zu sitzen.

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Wenn auch Sie solche einer sitzenden oder stehenden Tätigkeit nachgehen, ist es wichtig, dass Sie sich zum Ausgleich in Ihrer Freizeit viel bewegen und Sport treiben. Nehmen Sie die Treppe und nicht den Aufzug. Lassen Sie das Auto stehen, die U-Bahn oder den Bus links liegen und gehen stattdessen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Auch bei der Arbeit sollten Sie darauf achten, sich und Ihren Beinen Bewegung zu verschaffen. Nutzen Sie die Pausen, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Greifen Sie nicht zum Telefon, sondern statten dem Kollegen zum Gespräch einen Besuch ab.

Bei langem Stehen abwechselnd in den Zehen- und den Fersenstand zu gehen, aktiviert die Muskelpumpe und entlastet so Ihre Venen. Den gleichen Effekt erfüllt es, im Sitzen mit den Füßen abwechselnd nach links und rechts zu kreiseln. Diese und weitere Übungen, die sich auch in den beruflichen Alltag integrieren lassen, finden Sie in unserer Venengymnastik .

Und wenn Sie im Job viel sitzen müssen, dann richtig. Die Füße sollten nicht baumeln sondern flach nebeneinander auf dem Boden oder auf einer Fußstütze stehen. Neben der passenden Sitzhöhe ist auch wichtig, dass der Stuhl möglichst wenig Druck auf die Schenkelunterseite und die Kniekehlen ausübt. Sonst werden die Venen komprimiert und dadurch noch zusätzlich belastet.

Badewanne und Sauna

Ist es erlaubt, sich in die Badewanne zu legen und wenn ja bei welchen Wassertemperaturen? Auf diese im Zusammenhang mit phlebologischen Erkrankungen öfters gestellte Frage gibt es keine durch wissenschaftliche Studien untermauerte Antwort. Einige Krankheitsbilder wie die chronische venöse Insuffizienz oder ein ausgeprägtes Krampfaderleiden können allerdings mit Hautveränderungen einhergehen. Dazu gehören bräunliche Verfärbungen und eine sehr dünne Haut über der Krampfader oder oberhalb des Fußknöchels. Um die angegriffenen Hautstellen nicht noch zusätzlich aufzuweichen und so beispielsweise eine Blutung auszulösen, empfiehlt es sich dann, nicht ausgiebig im warmen Wasser zu baden. Bei akuten oberflächlichen und tiefen Beinvenenthrombosen sowie direkt nach der Behandlung von Krampfadern raten Fachleute, auf ein warmes Wannenbad zu verzichten.

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Davon abgesehen spricht nichts gegen den Gang in die Badewanne. Damit der Kreislauf nicht übermäßig belastet wird, sollte die Wassertemperatur aber unter der Körpertemperatur liegen. Das heißt, es sich in der Wanne mit bis zu 37 Grad warmen Wasser gemütlich zu machen, ist auch für Sie als Venenpatient gesundheitlich unbedenklich. Anschließend empfiehlt es sich, die Beine mit dem Duschkopf kalt abzuspülen.

Deutlich heißer geht es in der Sauna zu. Die ist bei einer akuten Thrombose der oberflächlichen oder der tiefen Beinvenen verboten, da Wärme die Bildung und das Wachstum des krankheitstypischen Blutgerinnsels (Thrombus) fördert und die Beinschwellung verschlimmert. Aus diesem Grund sollten auch Patienten, die zu oberflächlichen Venenthrombosen neigen, mit der Saune vorsichtig sein und im Zweifelsfall lieber vorab mit einem Venenspezialisten Rücksprache halten.

Bei anderen phlebologischen Krankheitsbildern wie einem Lymphödem oder Krampfadern gilt anlog zur Badewanne: Zu möglichen positiven oder negativen Effekten des Saunierens liegen bis dato keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Fakt ist, dass sich die Wände der Blutgefäße unter der Hitzeeinwirkung erweitern. Durch den anschließenden Kaltwasser-Guss ziehen sie sich aber auch wieder zusammen. Ähnlich wie die Kneippschen Wasseranwendungen stellt die Sauna damit ein Training für die Venen dar. Probieren Sie doch selbst aus, wie sich ein oder zwei kurze Saunagänge mit hochgelegten Beinen plus folgender kalter Dusche oder Guss auf Ihr Befinden und Ihre Beine auswirken.

Den Beinen Gutes tun

Für die bei Venenerkrankungen oft angeschwollenen, schweren und schmerzenden Beine ist kaltes Wasser eine Wohltat, die Sie sich ohne großen Aufwand gönnen können und sollten – insbesondere, aber nicht nur an heißen Tagen und wenn Sie lange gestanden oder gesessen haben. Brausen Sie Ihre Beine unter der Dusche kalt ab. Das bewirkt, dass sich die Venen zusammenziehen und lindert so ihre Beinbeschwerden oder lässt sie gar nicht erst aufkommen. Am besten ist, wenn Sie dabei nach der folgenden, auch als Kneipp’scher Guss bezeichneten Methode vorgehen:

  • Richten Sie den kalten Wasserstrahl zunächst auf den äußeren Fußrand.
  • Führen Sie den Duschkopf dann langsam auf der Beinaußenseite nach oben bis in die Leistenregion.
  • Bewegen Sie den Wasserstrahl anschließend auf der Innenseite des Beines wieder hinunter zum Fuß.
  • Duschen Sie zum Schluss die Fußsohle mit kaltem Wasser.
  • Wiederholen Sie das Prozedere am anderen Bein.
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Noch einfacher durchzuführen ist ein weiterer effektiver Alltagstipp bei Venenerkrankungen: Legen Sie die Beine hoch, wann immer sich die Gelegenheit bietet – auch wenn es nur für zwei drei Minuten zwischendurch und auf einem flachen Hocker oder zum Beispiel dem Mülleimer unter dem Schreibtisch ist. Das erleichtert es dem Blut, zum Herzen zurückzuströmen und entlastet so die Beinvenen. Abends dürfen Sie ihren Beinen gerne eine ausgiebige Ruhepause in erhöhter Position gönnen. Das gilt umso mehr, wenn Sie am Tag lange gestanden oder auf einen Stuhl gesessen sind. Dass die Füße beim Schlafen etwas höher liegen als der Kopf – fünf bis zehn Zentimeter reichen hier vollauf – ist bei geschwollenen, schweren, schmerzenden Beinen ebenfalls sinnvoll. Viele moderne Betten und Lattenroste lassen sich entsprechend verstellen. Ansonsten kann das Fußende auch mit einem Holzbalken stabil angehoben werden.

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