Sport tut gut!

Diese Binsenweisheit gilt für Patienten mit Venenerkrankungen sogar noch mehr als für gesunde Menschen. Insbesondere Sportarten, die die Beinmuskeln beanspruchen, unterstützen das Venensystem bei seiner wichtigsten Funktion: dem Rücktransport des Blutes zum Herzen. Denn durch die Kontraktionen der Muskulatur wird die Muskelpumpe aktiviert, die das venöse Blut in den Beinen Richtung Herz treibt – auch im Sitzen und Stehen und damit entgegen der Schwerkraft. Sich regelmäßig sportlich zu betätigen, hilft zudem dabei, ein normales Körpergewicht zu halten und eventuell vorhandene überschüssige Kilos zu reduzieren. Übergewicht kann sowohl die Entstehung als auch das Fortschreiten von phlebologischen Krankheitsbildern wie dem Lipödem, der tiefen Beinvenenthrombose oder der chronischen venösen Insuffizienz fördern.

Ab ins Wasser und rauf aufs Rad

Ob Schwimmen, Wassergymnastik oder Aqua-Jogging – optimal für das Lymph- und Venensystem sind alle Sportarten, bei denen die Beine unter Wasser bewegt werden. Der dort herrschende Wasserdruck verringert den Durchmesser der venösen Blutgefäße und hat damit den gleichen Effekt wie eine Kompressionstherapie. Hinzu kommt noch, dass sich die Venenwände durch das im Verhältnis zur Körpertemperatur relativ kühle Nass zusammenziehen. All das unterstützt den Abstrom des Blutes und entlastet die Venen. Auch der Lymphfluss und damit einhergehend der Abtransport von Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe wird durch den Druck des Wassers angeregt. Personen mit solchen Ödemen in den Beinen merken das oft daran, dass sie nach zehn bis 15 Minuten im Schwimmbecken auf die Toilette müssen. Wassergymnastik und Aqua-Jogging wirken sich so positiv auf die Venenfunktion aus, dass die Krankenkassen entsprechende Kurse anbieten. Näheres dazu erfragen Sie am besten bei Ihrer Kasse.

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Wenn die Beine sich ein Meter unter der Wasseroberfläche befinden, beträgt der Druck des Wassers auf die Knöchelregion etwa 80 mm Quecksilbersäule. Das ist mehr als bei Kompressionsstrümpfen Klasse IV, der stärksten Kompressionsklasse. Der hohe Wasserdruck ist aber nicht spürbar und wird deshalb selbst bei stark geschwollenen Beinen nicht als unangenehm empfunden.

Wandern, Walking beziehungsweise Nordic Walking mit Stöcken, leichtes Joggen, Inline-Skating mit und ohne Stöcken, Tanzen, Aerobic, Fitnesstraining an Ausdauergeräten wie dem Stepper oder dem Cross-Trainer – auch außerhalb des Wassers steht eine Vielzahl „venenfreundlicher“ Sportarten zur Wahl. Ihr gemeinsames Merkmal besteht darin, dass sich die Muskeln in den Beinen und insbesondere die Wadenmuskeln dabei gleichmäßig und rhythmisch kontrahieren. Gleiches gilt auch fürs Radfahren. Um zu verhindern, dass die Venen im Leisten- und Bauchbereich zu sehr abknicken und der Blutabfluss dadurch behindert wird, sollte die Sitzhaltung allerdings möglichst aufrecht sein. Oder anderes gesagt: Das Hollandrad eignet sich für Venenpatienten besser als das Rennrad. Wenn Schnee und Eis der Radtour im Wege stehen, gibt es mit Skilanglauf und Schneeschuhwandern zum Winter passende Alternativen. Ganz und gar wetterunabhängig und auch für eine kurze Sporteinheit zwischendurch geeignet ist Gymnastik. Einige kleine Übungen, die sich auch in den Alltag einbauen lassen, zeigt Ihnen unser Venentraining .

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Ganz unabhängig von der Sportart lautet in der Venenheilkunde die Regel: Wenn Sie mit einer Kompressionstherapie behandelt werden, sollten Sie Ihre Kompressionsstrümpfe auch beim Sport tragen. Denn das Bewegen der Beinmuskeln verstärkt die Wirkung der Kompression und macht die Therapie damit noch effektiver. 

Vorsicht mit Ballsport, No-go Gewichtheben

Wegen der vergleichsweise hohen Verletzungsgefahr für Patienten mit Venenerkrankungen weniger geeignet sind Sportarten wie Tennis, Handball oder Squash, bei denen aus dem Laufen heraus sehr ruckartig gestoppt werden muss. Fußball und die damit oft verbundenen Tritte in die Wade sowie der Druck und die Stöße der Skischuhe am Unterschenkel beim alpinen Skilaufen bergen ein gewisses Risiko, die für die Venenfunktion wichtigen Venenklappen zu verletzen. Mit langem Sitzen verbundene Sportarten wie beispielsweise das Kanufahren sind deshalb ungünstig, weil durch die angewinkelten Beine der Abfluss des Blutes in den Venen behindert wird. Von Gewichtheben und anderem intensiven Kraftsport raten Experten bei Venenleiden gänzlich ab. Durch den dabei entstehenden sehr hohen Druck im Bauchraum wird das venöse Blut regelrecht in die Beine zurückgepresst.

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Kann ich meinen Lieblingssport weiterhin betreiben? Wie intensiv darf ich mit meiner Krampfader trainieren? Ab wann ist es erlaubt, nach einer behandelten Thrombose mit sportlichen Aktivitäten zu starten? Solche Fragen stellen sich viele Venenpatienten. Im Zweifelsfall ist es ratsam, sich im Vorfeld mit Ihrem behandelnden Arzt abzustimmen. Das gilt insbesondere, wenn Sie zusätzlich unter anderweitigen Erkrankungen leiden, etwa des Herz-Kreislauf-Systems oder des Bewegungsapparats. 

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